Nein, es geht nicht um Rentner, die in aller Öffentlichkeit in der Nase bohren und gleichzeitig ihren Enkeln verbieten wollen ihre Nasenlöcher mit dem Finger zu erkunden. Auch nicht um lila Dauerwellen oder die schicken Cordhosen mit gestreiften Hosenträgern, die die Hose schön unter den Achseln festhalten oder Oma Gudrun, die mit 300 über die Autobahn brettert.
Es geht um unsere geliebten Politiker. Genauer um das, was stundenlange Bundestagsdebatten auf Phoenix oder die öffentlich-rechtlich übertragene Debatte um die Regierungserklärung unserer neuen "Biene Maja"-Koalition illustrieren.
Wobei es natürlich schon ein Witz ist, von "Debatte" zu sprechen.
Tut mir leid, aber hier diskutiert keiner. Ein Abgeordneter stellt sich an sein Pültchen, hält ausschweifende Reden und erntet nur vereinzelt verärgerte Zwischenrufe - und selbst wenn ein anderer Abgeordneter seinem Unmut über das Gesagte lautstarkt Luft macht, muss er nur selten damit rechnen vom Redner beim Namen genannt zu werden... woraufhin natürlich sofort Fötushaltung inklusive verschränkten Armen und Stuhl hin und her schieben angesagt wäre. Och, halt' halt lieber die Fresse, statt offen zu zeigen, wie sehr du hinter deiner Meinung stehst!
Die offenbar gängige Sitte ist es heutzutage, bei unliebsamen Rednern seine Nicht-Achtung offen so zu zeigen, indem man durch den Saal spaziert, seine Parteikumpels grüßt oder - die Kamera fing es so schön ein - wie unsere Kanzlerin demonstrativ sein Handy zückt, um Klingeltöne herunterzuladen oder "darling, miss u <3" zu simsen.
Ganz besonders putzig ist dann natürlich der Ausdruck unserer Minister auf der Regierungsbank, sollte sich die Opposition zu zarten Angriffen hinreißen lassen - offen angesprochen bleibt Niebel und Co. nichts übrig, als sich offensichtlich bei den Nebensitzern aufzuregen, auf dem Stuhl rumzuruckeln und abzuwinken à la "Ha! Redet ihr nur so einen Blödsinn, interessiert mich doch nicht! Mein Kopf ist nur so rot, weil ich heute rote Beete zum Frühstück hatte!"
Oder ein gezwungenes Grinsen auf die Mundwinkel zu legen wie der goldige Außenminister - "Hach, ich höre alles, aber ich tue mal so als würde ich darüber nachdenken was unsere polnische Köchin heute Leckeres zaubert..."
Über den höflichen Applaus für einen Redner hat man wohl auch lange nicht nachgedacht. Oskar Lafonataine bzw. generell Die Linke müssen sich ihre Klatscher in den eigenen Reihen suchen, da die restlichen Parteien entweder damit beschäftigt sind, sich aufzuregen, getroffen im "Hugo Boss"-Anzug rumzurutschen als hätte ihnen jemand den Darmausgang zugenäht... oder schlicht und einfach beleidigte Leberwurst zu spielen wie es die alte Tante (S)PD so gerne tut, nach dem Kindergarten-Motto "Der wollte nich mehr mit uns spielen, jetzt mögen wir nich mehr mit dem spielen!".
Sehr erwachsen, liebe SPD, sehr erwachsen - und natürlich der richtige Weg zu neuen Umfrage-Höhen.
Eine interessante Kabarett-Show ist unser Bundestag geworden - frei von Höflichkeit und guten Manieren entscheiden weltfremde Egozentriker über die Geschicke unseres Landes und sind für Kritik offenbar ebenso empfänglich wie ein Kürbisbauer für Schnecken.
Nur leider muss man sagen, dass die echten Kabarettisten auch nicht unbedingt sehr erwachsen sind, wenn es darum geht, die "Biene Maja" aufs Korn zu nehmen.
Witze über Schwule und Frauen an der Spitze des Landes sind doch eigentlich mehr auf dem Niveau eines Oliver Pocher oder anderer Privatsender-Tiefflieger - und kreative Gags, auf die auch 20 andere schon gekommen sind - sogar die Poltiker selbst, sprechen nicht unbedingt für Biss und Qualität des Humors.
Wirklich schade.
Sonntag, 15. November 2009
Sonntag, 1. November 2009
"Tja, was sagen Sie, als Außenstehender zum Thema Mode?"
Schock-Meldung des Tages: ""Ed Hardy" und Co. greifen modisch vermehrt um sich. Werden Wir alle sterben?!"
Natürlich werden wir das genauso wenig wie wir an der Schweinegrippe sterben würden, doch für Ed Hardys Kreationen, braucht jeder Mensch mit Geschmack als mindeste Sicherheitsmaßnahme eine Sonnenbrille.
Zumal die kitschigen Seemanns-Tättowutzions-Bildchen nicht von denen getragen werden, die wirklich den Mumm haben, sich Farbe unter die Haut spritzen zu lassen, sondern vornehmlich von gegelt-mit-rosa-Polohemd-und-D&G-Fake-Gürtel-Gockeln und Co., die das, was sie da tragen offenbar für ungemein cool und modisch halten. Dass diese Krüppeldrachen und Glitzerhündchen im ">Mutti< auf den Arm tättowiert"-Rocker-Stil einfach nur billig aussehen, dürfte den Herren und Damen nicht auffallen - und wenn, sie nichteinmal stören.
Nicht der einzige Schönheitsfehler in Deutschlands Fußgängerzonen.
An jeder Ecke sieht man Teenager, die sich in alberne Röhrenjeans gezwängt haben - unäbhängig davon, ob es ihnen auch nur ansatzweise steht. Nilpferdhintern sehen nunmal leider nicht sonderlich attraktiv aus in diesen Hosen und die obligatorischen Chucks machen es auch nicht besser. Was nicht heißen soll, dass wir dünne Knaben ohne Hintern in der erwähnten Hosenform sehen wollten - oder picklige Bubi-Köpfchen mit geglättetem Seitenscheitel, die in ihren riesigen Kopfhörern zu ertrinken drohen. Die Daniel-Küblböck-Nerd-Brille scheint sich ja Kartoffel-sei-Dank immerhin nicht mehr allzu großer Beliebtheit zu erfreuen und auch das recht unvorteilhafte Babydoll-Sackkleid verwandelt nicht mehr jede Frau in eine Schwangere kurz vor der Entbindung, doch irgendein geschmackloser Mode-Scharlatan beginnt jetzt damit, nach den 60ern nun auch noch die 80er auszuschlachten - als ob 20 Jahre genug Zeit gewesen wären, das Trauma von Neon-Farben, Oversize und Schulterpolstern zu verarbeiten. Welchem Stil wollen wir uns als nächstes zuwenden, sehr geehrter H&M-Designer? Stecken wir als nächstes unsere häßlichen, 3-Tage-bärtigen Bohnenstangen-Models wieder mal in Raumanzüge und setzen ihnen Goldfischgläser auf den Kopf? Oder stecken wir das McDoof-Hüftgold unserer Kundschaft demnächst in Petticoats und lassen irgendeine bekiffte Pseudo-Rock'n'Roll Band eine eigene Linie für uns kreieren?
Oder werden wir uns gar mit dem Ikea-Elch kurzschließen, um die nach billigen Fummeln geifernden Teenager ab sofort auf die Holzschuhe "Billy" und das Schubladenkleid "Annebrö" einzuschießen? Die Vermählung ist ja wohl längst überfällig für die "außen hui, innen pfui"-Schweden-Kumpels.
Eine wirklich kurzlebige Zeit ist das geworden: innerhalb eines Jahres mehrere Jahrzehnte zu verwurschteln und zu verunstalten, hat einen Hauch von Krankheit, etwas von ständig neu-aufkeimenden Grippe-Epidemien.
Bei H5N1 war das Bremborium noch groß, mit ausufernden Quarantäne-Maßnahmen und hilfreichen Ratschlägen wie "keine Federn anfassen" - die Schweine-Grippe hat das ganze ein wenig schrumpfen lassen: man muss sich nur noch die Hände waschen bis die Haut abblättert und zum Alm-Öhi werden.
Allerdings: man kann sich sogar impfen lassen, woho! Für die Poltiker der Special-Cocktail, der warscheinlich noch ein Serum gegen Einsicht und Vernunft enthält, für den Normalbürger, das, was er schon immer brauchte. Was kommt als nächstes? Hundegrippe? "Vermeiden Sie es, in Hundekot zu treten oder sich von Nachbars Köter anfallen zu lassen"?
Hach, warscheinlich ist das Volk von all der Panik so geschwächt, dass es demnächst Mode wird, pinke Tennissocken zu grünen Plateau-Birkenstock zu tragen und sich à la John Travolta bei jedem zweiten Schritt in den Schritt zu greifen, um zu überprüfen, ob die Grippe nicht vielleicht... na, Sie wissen schon.
Natürlich werden wir das genauso wenig wie wir an der Schweinegrippe sterben würden, doch für Ed Hardys Kreationen, braucht jeder Mensch mit Geschmack als mindeste Sicherheitsmaßnahme eine Sonnenbrille.
Zumal die kitschigen Seemanns-Tättowutzions-Bildchen nicht von denen getragen werden, die wirklich den Mumm haben, sich Farbe unter die Haut spritzen zu lassen, sondern vornehmlich von gegelt-mit-rosa-Polohemd-und-D&G-Fake-Gürtel-Gockeln und Co., die das, was sie da tragen offenbar für ungemein cool und modisch halten. Dass diese Krüppeldrachen und Glitzerhündchen im ">Mutti< auf den Arm tättowiert"-Rocker-Stil einfach nur billig aussehen, dürfte den Herren und Damen nicht auffallen - und wenn, sie nichteinmal stören.
Nicht der einzige Schönheitsfehler in Deutschlands Fußgängerzonen.
An jeder Ecke sieht man Teenager, die sich in alberne Röhrenjeans gezwängt haben - unäbhängig davon, ob es ihnen auch nur ansatzweise steht. Nilpferdhintern sehen nunmal leider nicht sonderlich attraktiv aus in diesen Hosen und die obligatorischen Chucks machen es auch nicht besser. Was nicht heißen soll, dass wir dünne Knaben ohne Hintern in der erwähnten Hosenform sehen wollten - oder picklige Bubi-Köpfchen mit geglättetem Seitenscheitel, die in ihren riesigen Kopfhörern zu ertrinken drohen. Die Daniel-Küblböck-Nerd-Brille scheint sich ja Kartoffel-sei-Dank immerhin nicht mehr allzu großer Beliebtheit zu erfreuen und auch das recht unvorteilhafte Babydoll-Sackkleid verwandelt nicht mehr jede Frau in eine Schwangere kurz vor der Entbindung, doch irgendein geschmackloser Mode-Scharlatan beginnt jetzt damit, nach den 60ern nun auch noch die 80er auszuschlachten - als ob 20 Jahre genug Zeit gewesen wären, das Trauma von Neon-Farben, Oversize und Schulterpolstern zu verarbeiten. Welchem Stil wollen wir uns als nächstes zuwenden, sehr geehrter H&M-Designer? Stecken wir als nächstes unsere häßlichen, 3-Tage-bärtigen Bohnenstangen-Models wieder mal in Raumanzüge und setzen ihnen Goldfischgläser auf den Kopf? Oder stecken wir das McDoof-Hüftgold unserer Kundschaft demnächst in Petticoats und lassen irgendeine bekiffte Pseudo-Rock'n'Roll Band eine eigene Linie für uns kreieren?
Oder werden wir uns gar mit dem Ikea-Elch kurzschließen, um die nach billigen Fummeln geifernden Teenager ab sofort auf die Holzschuhe "Billy" und das Schubladenkleid "Annebrö" einzuschießen? Die Vermählung ist ja wohl längst überfällig für die "außen hui, innen pfui"-Schweden-Kumpels.
Eine wirklich kurzlebige Zeit ist das geworden: innerhalb eines Jahres mehrere Jahrzehnte zu verwurschteln und zu verunstalten, hat einen Hauch von Krankheit, etwas von ständig neu-aufkeimenden Grippe-Epidemien.
Bei H5N1 war das Bremborium noch groß, mit ausufernden Quarantäne-Maßnahmen und hilfreichen Ratschlägen wie "keine Federn anfassen" - die Schweine-Grippe hat das ganze ein wenig schrumpfen lassen: man muss sich nur noch die Hände waschen bis die Haut abblättert und zum Alm-Öhi werden.
Allerdings: man kann sich sogar impfen lassen, woho! Für die Poltiker der Special-Cocktail, der warscheinlich noch ein Serum gegen Einsicht und Vernunft enthält, für den Normalbürger, das, was er schon immer brauchte. Was kommt als nächstes? Hundegrippe? "Vermeiden Sie es, in Hundekot zu treten oder sich von Nachbars Köter anfallen zu lassen"?
Hach, warscheinlich ist das Volk von all der Panik so geschwächt, dass es demnächst Mode wird, pinke Tennissocken zu grünen Plateau-Birkenstock zu tragen und sich à la John Travolta bei jedem zweiten Schritt in den Schritt zu greifen, um zu überprüfen, ob die Grippe nicht vielleicht... na, Sie wissen schon.
Sonntag, 23. August 2009
Retalin & Retalina
Es ist wirklich erstaunlich zu beobachten wie kinderfreundlich so manche selbst-angepriesene Familienstadt ist:
Die Spielplätze in den Großstädten sind längst zum Dreh- und Angelpunkt täglicher und nächtlicher Sauforgien gelangweilter Teenager verkommen - und bilden gleichzeitig 2 zum Preis von einem: kostenloses Hundeklo und Drogenumschlagplatz.
Wer sich doch einmal mit seinen Kindern auf den Spielplatz verirrt - meist handelt es sich dabei um junge, verblendete Eltern oder Oma und Opa, die ihre Brillen verloren haben - wird schon bald durch nicht angeleinte Bulldoggen und deren hirnlose Besitzer, durch kreischend-knutschende Hauptschul-Abgänger oder einfach durch die Glasscherbe im Fuß des Sohnemanns vertrieben.
Engagiertere Eltern wagen es vielleicht sich mit einem gepfefferten Beschwerdebrief an die Stadt zu richten - und manchmal erhalten sie sogar eine Antwort: "Sehr geehrte Fam. Blabla, die Stadt hat leider für den Bereich Kinder- und Jugend kein Geld in den Kassen. Tut uns sehr leid, Blabla."
Natürlich, kein Geld. Aber Geld um Plätze in der Innenstadt zu "renovieren" und dafür Platzgestalter ohne jeglichen Sinn für Ästhetik oder Utilität einzuspannen, ist da. Zubetoniert, zwei drei Krüppelbäume, die nie größer werden werden als 1, 20m und ein häßlicher pseudo-künstlerischer Brunnen.
Skaterampen für die Brett-verrückten Teenagermassen oder ein Abenteuerspielplatz für die Kleinen sind da leider nicht drin.
Da bestimmt das Angebot in gewisser Weise die Nachfrage: Städte und Firmen, die Familien mit Kindern nicht gerade freundlich gegenüber stehen, machen es für junge Leute nicht unbedingt attraktiv, sich fortzupflanzen. Und wenn keine Kinder geboren werden, gibt es natürlich auch keinen mehr, auf den man im Stadtkonzept Rücksicht nehmen muss.
Die wenigen Kinder, die es da noch gibt, gucken selbstverständlich in die Röhre.
Sie werden von ihren Eltern - ob arbeitslos oder gut bezahlt - gleich nach dem Aufstehen vor Fernseher, Spielkonsole oder Computer geparkt, am besten mit ordentlich Glutamat- und Kalorien-haltigem Proviant.
So hocken dann die Kleinen da und sind völlig unfähig sich mit sich selbst ohne elektronische Unterhalter zu beschäftigen oder sich lange genug auf irgendetwas zu konzentrieren. Rumhampeln im Unterricht oder lethargischer Fast-Tiefschlaf in jeder Situation: Modekrankheiten wie ADS oder ADHS lassen sich da leicht diagnostizieren und die ruhig-stellenden Medikamente hat man auch schon in der Hinterhand, wenn Mami und Papi das Geschrei ihres Sprosses auf die sowieso schon durch Geldsorgen gestressten Nerven geht. Da übersieht man dann auch leicht, dass der Nervzwerg mit der Hauptschulempfehlung unter Umständen vielleicht hochbegabt sein könnte und keineswegs einen an der Waffel hat und dass es vielleicht hilfreichere Beschäftigungsmethoden als PSP und MTV-Pro7-Dauerschleife gibt.
Nein, welch verwegener Gedanke! Lasst bloß nicht zu, dass euer Kind auf die Idee kommt, seiner Natur zu folgen, herumzurennen und sich auszutoben! Pumpt es lieber mit Psychopharmaka voll, bis ihr eines Tages eine Gesellschaft aus 80% alten Menschen, die das Rentensystem belasten und 20% jungen Menschen mit schweren psychischen Störungen und Neurosen habt!
Wozu denn Gedanken und Zeit an diejenigen verschwenden, die, so pathetisch es klingt, die Zukunft unseres Landes sind?
Ärzten und Pharmaindustrie Geld in den Rachen zu werfen, ist ja so viel einfacher.
Die Spielplätze in den Großstädten sind längst zum Dreh- und Angelpunkt täglicher und nächtlicher Sauforgien gelangweilter Teenager verkommen - und bilden gleichzeitig 2 zum Preis von einem: kostenloses Hundeklo und Drogenumschlagplatz.
Wer sich doch einmal mit seinen Kindern auf den Spielplatz verirrt - meist handelt es sich dabei um junge, verblendete Eltern oder Oma und Opa, die ihre Brillen verloren haben - wird schon bald durch nicht angeleinte Bulldoggen und deren hirnlose Besitzer, durch kreischend-knutschende Hauptschul-Abgänger oder einfach durch die Glasscherbe im Fuß des Sohnemanns vertrieben.
Engagiertere Eltern wagen es vielleicht sich mit einem gepfefferten Beschwerdebrief an die Stadt zu richten - und manchmal erhalten sie sogar eine Antwort: "Sehr geehrte Fam. Blabla, die Stadt hat leider für den Bereich Kinder- und Jugend kein Geld in den Kassen. Tut uns sehr leid, Blabla."
Natürlich, kein Geld. Aber Geld um Plätze in der Innenstadt zu "renovieren" und dafür Platzgestalter ohne jeglichen Sinn für Ästhetik oder Utilität einzuspannen, ist da. Zubetoniert, zwei drei Krüppelbäume, die nie größer werden werden als 1, 20m und ein häßlicher pseudo-künstlerischer Brunnen.
Skaterampen für die Brett-verrückten Teenagermassen oder ein Abenteuerspielplatz für die Kleinen sind da leider nicht drin.
Da bestimmt das Angebot in gewisser Weise die Nachfrage: Städte und Firmen, die Familien mit Kindern nicht gerade freundlich gegenüber stehen, machen es für junge Leute nicht unbedingt attraktiv, sich fortzupflanzen. Und wenn keine Kinder geboren werden, gibt es natürlich auch keinen mehr, auf den man im Stadtkonzept Rücksicht nehmen muss.
Die wenigen Kinder, die es da noch gibt, gucken selbstverständlich in die Röhre.
Sie werden von ihren Eltern - ob arbeitslos oder gut bezahlt - gleich nach dem Aufstehen vor Fernseher, Spielkonsole oder Computer geparkt, am besten mit ordentlich Glutamat- und Kalorien-haltigem Proviant.
So hocken dann die Kleinen da und sind völlig unfähig sich mit sich selbst ohne elektronische Unterhalter zu beschäftigen oder sich lange genug auf irgendetwas zu konzentrieren. Rumhampeln im Unterricht oder lethargischer Fast-Tiefschlaf in jeder Situation: Modekrankheiten wie ADS oder ADHS lassen sich da leicht diagnostizieren und die ruhig-stellenden Medikamente hat man auch schon in der Hinterhand, wenn Mami und Papi das Geschrei ihres Sprosses auf die sowieso schon durch Geldsorgen gestressten Nerven geht. Da übersieht man dann auch leicht, dass der Nervzwerg mit der Hauptschulempfehlung unter Umständen vielleicht hochbegabt sein könnte und keineswegs einen an der Waffel hat und dass es vielleicht hilfreichere Beschäftigungsmethoden als PSP und MTV-Pro7-Dauerschleife gibt.
Nein, welch verwegener Gedanke! Lasst bloß nicht zu, dass euer Kind auf die Idee kommt, seiner Natur zu folgen, herumzurennen und sich auszutoben! Pumpt es lieber mit Psychopharmaka voll, bis ihr eines Tages eine Gesellschaft aus 80% alten Menschen, die das Rentensystem belasten und 20% jungen Menschen mit schweren psychischen Störungen und Neurosen habt!
Wozu denn Gedanken und Zeit an diejenigen verschwenden, die, so pathetisch es klingt, die Zukunft unseres Landes sind?
Ärzten und Pharmaindustrie Geld in den Rachen zu werfen, ist ja so viel einfacher.
Donnerstag, 20. August 2009
Ich bin doch nicht Emo!
Seitenscheitel, Totenköfle, Pünktchen ohne Anton und zugetackerte Kindergesichter sind das neue Feindbild aller Sub-, Joghurt- und Mainstreamkulturen und jedes kleine Möchtergern-Gruftilein windet sich voller Abscheu, wenn es wegen seines evil-H&M-Stylings und all der Fratzenpiekser an einschlägigen Stellen, sprich seinem Mode-Emo-Look als Emo bezeichnet wird.
Aber nein! All diese - vornehmlich weiblichen - Killerteenies sind obertrue! So true, dass ihnen ihre Trueigkeit wieder zu den dauer-akkupunktierten Öhrchen rauskommt. Sie lesen "Twilight" und verzehren sich nach Edwaaaard, dem Schmalz-Vampir, oder lauschen verzückt Ville Valos finnischer Schlagertruppe und können es sich gleichzeitig erlauben, über die ihnen so unähnlichen Emo-Gören herzuziehen.
Und selbstverständlich versucht man auch sich tiefsinnig zu geben: ob man nun schlechte Jammer-Heul-Schmerz-Gedichte auf das Papier quält und in irgendwelchen "Dark Blödsinn for Dark People"-Foren veröffentlicht oder sich ganz evil mit rosa Flügelchen auf einem Grabstein räkelnd für die Myspace-Seite ablichten lässt (die einfallslos mit jede Menge Klimbim-Zeug verunstalteten Aderlass-BW-Klamotten und -Accesoires sollten auf den fotografischen Meisterwerken, die nachträglich noch tausendfach bearbeitet werden, natürlich gut erkenntbar sein).
Das Aufregen ist ein weiteres Hobby des "Ich bin doch nicht Emo"-Gruftibärchens: es kann sich wunderbar bei seinen omni-sexuellen Gothic-Barbie-Freundinnen darüber ereifern, dass es beim Shoppen im städtischen "New Yorker" von Familie Waschtelhuber wegen all der Modeschmuck-Pentagramme und umgedrehten Modeschmuck-Kreuze entsetzt begafft wurde und sich mehr "Tolleranz" wünschen.
Allerlei elektronische Kommunikationsmittel leisten bei dieser Rechtschreibfehler-gespickten Tirade auf das ach-wie-schreckliche-und-gar-nicht-gewollte-Begafftwerden gute Dienste. Um evil-Schnuckihasi aufzumuntern und weils einfach dazu gehört, werden die Nachrichten dann über und über mit verkrüppelten Mutantenherzen (<3) geschmückt - *abknutsch*, *knuddel* und Co. dürfen allerdings für die virtuelle "Sinister Regenbogenpony of Death"-Orgie (die eigentlich keines besonderen Anlasses bedarf) auch nicht fehlen.
Cybersex mal anders - und bei dieser besonderen Teenager-Spezies, läuft das auch völlig unabhängig davon, ob am anderen Ende der Leitung jetzt die heterosexuelle Mode-Lesbe Lisa alias "Bloody Vampire", der perverse Pädophile Hans (53) oder ein Wackelpudding sitzt.
Bei einem derartigen Verhalten trägt sich Arroganz gegenüber Emos und sowieso allem und jedem natürlich genauso cool wie der schwarze Kunstleder-Van-Hellsing-Mantel, der sich ständig um die Be-Springerstiefel-ten Füße wickelt.
Aber nein! All diese - vornehmlich weiblichen - Killerteenies sind obertrue! So true, dass ihnen ihre Trueigkeit wieder zu den dauer-akkupunktierten Öhrchen rauskommt. Sie lesen "Twilight" und verzehren sich nach Edwaaaard, dem Schmalz-Vampir, oder lauschen verzückt Ville Valos finnischer Schlagertruppe und können es sich gleichzeitig erlauben, über die ihnen so unähnlichen Emo-Gören herzuziehen.
Und selbstverständlich versucht man auch sich tiefsinnig zu geben: ob man nun schlechte Jammer-Heul-Schmerz-Gedichte auf das Papier quält und in irgendwelchen "Dark Blödsinn for Dark People"-Foren veröffentlicht oder sich ganz evil mit rosa Flügelchen auf einem Grabstein räkelnd für die Myspace-Seite ablichten lässt (die einfallslos mit jede Menge Klimbim-Zeug verunstalteten Aderlass-BW-Klamotten und -Accesoires sollten auf den fotografischen Meisterwerken, die nachträglich noch tausendfach bearbeitet werden, natürlich gut erkenntbar sein).
Das Aufregen ist ein weiteres Hobby des "Ich bin doch nicht Emo"-Gruftibärchens: es kann sich wunderbar bei seinen omni-sexuellen Gothic-Barbie-Freundinnen darüber ereifern, dass es beim Shoppen im städtischen "New Yorker" von Familie Waschtelhuber wegen all der Modeschmuck-Pentagramme und umgedrehten Modeschmuck-Kreuze entsetzt begafft wurde und sich mehr "Tolleranz" wünschen.
Allerlei elektronische Kommunikationsmittel leisten bei dieser Rechtschreibfehler-gespickten Tirade auf das ach-wie-schreckliche-und-gar-nicht-gewollte-Begafftwerden gute Dienste. Um evil-Schnuckihasi aufzumuntern und weils einfach dazu gehört, werden die Nachrichten dann über und über mit verkrüppelten Mutantenherzen (<3) geschmückt - *abknutsch*, *knuddel* und Co. dürfen allerdings für die virtuelle "Sinister Regenbogenpony of Death"-Orgie (die eigentlich keines besonderen Anlasses bedarf) auch nicht fehlen.
Cybersex mal anders - und bei dieser besonderen Teenager-Spezies, läuft das auch völlig unabhängig davon, ob am anderen Ende der Leitung jetzt die heterosexuelle Mode-Lesbe Lisa alias "Bloody Vampire", der perverse Pädophile Hans (53) oder ein Wackelpudding sitzt.
Bei einem derartigen Verhalten trägt sich Arroganz gegenüber Emos und sowieso allem und jedem natürlich genauso cool wie der schwarze Kunstleder-Van-Hellsing-Mantel, der sich ständig um die Be-Springerstiefel-ten Füße wickelt.
Freitag, 10. Juli 2009
Kulturerhalt – Der Tragödie erster Teil
Zwecks Denkmalschutz sollte der Magister Goethe langsam aus dem Schuldienst genommen werden, damit sich der hehre Inhalt seiner Werke nicht durch die falsche Benutzung durch Rotznasen, denen ihre eigene Muttersprache eine Fremdsprache ist, abnutzt.
Und die Bedienungsanleitungen für die Ober- und Unterprimaten wie „Da ballt sich meine Faust“ sind ebenfalls unerwünscht – denn wer die Verse auseinander nimmt, weiß am Ende vielleicht gar nicht mehr wie sie ursprünglich standen und kann sie nicht mehr zusammensetzen.
Man sollte demnach die Altersfreigabe auf „ab 40“ hoch setzen, damit nur noch pseudo-intellektuelle Rotweinschlürfer mit Abo im Jazzlokal in den Genuss des „Faust“ kommen.
Denn um sich den Hauch von Bildung und einen intellektuellen Touch zu geben, darf natürlich Goethes „Faust“ nicht im – dank Putzhilfe und Co. - staubfreien Mahagoniregal fehlen. Wenn Sie zu dieser privilegierten Zielgruppe gehören, sollten Sie sich zunächst gut überlegen, wie man an dieses Meisterwerk überhaupt herangeht:
1. DAS Werk der deutschen Literatur muss einen ihm gebührenden Standort – beispielsweise auf rotem Samtkissen – erhalten. Es sollte möglichst kühl und trocken gelagert werden.
2. Der „Faust“ darf nur äußerst vorsichtig mit Baumwollhandschuhen angefasst werden, damit die Poesie nicht aus Versehen herausfällt oder auseinander bricht.
3. Ab und zu scheint es angemessen, die goldverzierte Sonderausgabe zumindest zu durchblättern, damit ein Besucher den Eindruck eines leidenschaftlichen Lesers erhält und vor Staunen fast geneigt ist, zu vermuten, man wäre mit dem Teufel im Bunde, solch ein Drama offensichtlich zu mögen.
4. Falls ein Banause es wagen sollte, Zitate zu missbrauchen, muss ihm klar gemacht werden – zur Not auch mithilfe eines Werthers -, dass das Aus-dem-Kontext-Reißen von Versen ein Frevel ist und das Reimschema sowie die Handlung dieses kulturellen Schatzes beschädigt.
5. Wenn Sie eine Übersetzung des „Faust“ auf Neudeutsch finden, melden sie es dem es der örtlichen Polizeidienststelle oder gleich dem BND - „Versmissbrauch“ und „tätlicher Angriff auf die Klassik“ müssen hart bestraft werden.
6. Ihre Freizeit können Sie mit Interpretationen zweifelhafter und mehrdeutiger Textstellen wie „und“, „Mann“ oder „Keller“ verbringen – allerdings sollte zu diesem Zweck eines der gelben Schülerfolternotizbücher benutzt werden, da die Worte hier nicht ganz so leicht verloren gehen können.
7. Wenn man es denn einmal wagt, mit dem Blick die pathetischen Verse Goethes zu streifen, muss man sich stets vor Augen halten, welches Privileg man genießt, das – wie deutlich erkennbar ist – Lebenswerk eines der bedeutendsten Dichter dieses Landes zu besitzen.
8. Sie müssen die unglaubliche Leistung Goethes schätzen lernen, ein solches vor Phantasie, Hochspannung – man achte übrigens darauf, keinen Schlag zu bekommen! – und Schmalz nur so triefendes Werk, noch vor Ende seines Lebens abschließen zu können.
Aber verlieren Sie bitte vor Aufregung nicht die Kontrolle über ihre Körperflüssigkeiten, die Tinte könnte verlaufen und die nicht-vorhandene Logik zerstören.
9. Sie dürfen sich gerne in Anbetung vor der hohen Kunst des dramatisch-tragischen Bühnenstückes verzücken, nur sollten zumindest gesetztere Herren es vermeiden, sich allzu sehr mit der Hauptperson zu identifizieren.
10. Sie können es nach dem Genuss eines wahren „Faust“ ruhig sein lassen, Ihre Faust auch noch um Teil 2, den „Rausch des Altertums“ zu schließen und damit das Kulturerbe zu belästigen – denn das Leben ist zwar recht lang, aber Fausts Joint-Apotheose ist länger.
Und die Bedienungsanleitungen für die Ober- und Unterprimaten wie „Da ballt sich meine Faust“ sind ebenfalls unerwünscht – denn wer die Verse auseinander nimmt, weiß am Ende vielleicht gar nicht mehr wie sie ursprünglich standen und kann sie nicht mehr zusammensetzen.
Man sollte demnach die Altersfreigabe auf „ab 40“ hoch setzen, damit nur noch pseudo-intellektuelle Rotweinschlürfer mit Abo im Jazzlokal in den Genuss des „Faust“ kommen.
Denn um sich den Hauch von Bildung und einen intellektuellen Touch zu geben, darf natürlich Goethes „Faust“ nicht im – dank Putzhilfe und Co. - staubfreien Mahagoniregal fehlen. Wenn Sie zu dieser privilegierten Zielgruppe gehören, sollten Sie sich zunächst gut überlegen, wie man an dieses Meisterwerk überhaupt herangeht:
1. DAS Werk der deutschen Literatur muss einen ihm gebührenden Standort – beispielsweise auf rotem Samtkissen – erhalten. Es sollte möglichst kühl und trocken gelagert werden.
2. Der „Faust“ darf nur äußerst vorsichtig mit Baumwollhandschuhen angefasst werden, damit die Poesie nicht aus Versehen herausfällt oder auseinander bricht.
3. Ab und zu scheint es angemessen, die goldverzierte Sonderausgabe zumindest zu durchblättern, damit ein Besucher den Eindruck eines leidenschaftlichen Lesers erhält und vor Staunen fast geneigt ist, zu vermuten, man wäre mit dem Teufel im Bunde, solch ein Drama offensichtlich zu mögen.
4. Falls ein Banause es wagen sollte, Zitate zu missbrauchen, muss ihm klar gemacht werden – zur Not auch mithilfe eines Werthers -, dass das Aus-dem-Kontext-Reißen von Versen ein Frevel ist und das Reimschema sowie die Handlung dieses kulturellen Schatzes beschädigt.
5. Wenn Sie eine Übersetzung des „Faust“ auf Neudeutsch finden, melden sie es dem es der örtlichen Polizeidienststelle oder gleich dem BND - „Versmissbrauch“ und „tätlicher Angriff auf die Klassik“ müssen hart bestraft werden.
6. Ihre Freizeit können Sie mit Interpretationen zweifelhafter und mehrdeutiger Textstellen wie „und“, „Mann“ oder „Keller“ verbringen – allerdings sollte zu diesem Zweck eines der gelben Schülerfolternotizbücher benutzt werden, da die Worte hier nicht ganz so leicht verloren gehen können.
7. Wenn man es denn einmal wagt, mit dem Blick die pathetischen Verse Goethes zu streifen, muss man sich stets vor Augen halten, welches Privileg man genießt, das – wie deutlich erkennbar ist – Lebenswerk eines der bedeutendsten Dichter dieses Landes zu besitzen.
8. Sie müssen die unglaubliche Leistung Goethes schätzen lernen, ein solches vor Phantasie, Hochspannung – man achte übrigens darauf, keinen Schlag zu bekommen! – und Schmalz nur so triefendes Werk, noch vor Ende seines Lebens abschließen zu können.
Aber verlieren Sie bitte vor Aufregung nicht die Kontrolle über ihre Körperflüssigkeiten, die Tinte könnte verlaufen und die nicht-vorhandene Logik zerstören.
9. Sie dürfen sich gerne in Anbetung vor der hohen Kunst des dramatisch-tragischen Bühnenstückes verzücken, nur sollten zumindest gesetztere Herren es vermeiden, sich allzu sehr mit der Hauptperson zu identifizieren.
10. Sie können es nach dem Genuss eines wahren „Faust“ ruhig sein lassen, Ihre Faust auch noch um Teil 2, den „Rausch des Altertums“ zu schließen und damit das Kulturerbe zu belästigen – denn das Leben ist zwar recht lang, aber Fausts Joint-Apotheose ist länger.
Donnerstag, 2. Juli 2009
Rette sich, wer kann!
Ja, die Grippe ist unterwegs! Wohlgemerkt die Schweine-Grippe und dem werten Medien-Konsumenten wird überall in dramatischem Tonfall erklärt, "Experten" warnten vor panischen Reaktionen und im selben Atemzug erfahren wir von inzwischen 311 Todesfällen weltweit und dass es ganz besonders Großbritannien schlimm getroffen habe, aber bloooooß keine Panik.
Aber wozu haben wir DoofTV, das uns jetzt, zum Schutz vor der Schweinegrippe beibringen muss wie man seine Hände richtig wäscht - für die normale Grippe, an der jährlich 10.000 Menschen allein in Deutschland sterben sind solche "Aufklärungsmaßnahmen" natürlich unnötig. Kann man ja nicht derart medienwirksam "bewerben" wie eine Mutantenvirus-Grippe.
Außerdem: Lieber wegen einer ach-so-schrecklichen Pups-Grippe die Bevölkerung aufscheuchen und verunsichern, als etwas gegen wirkliche Gesundheitsgefahren wie McDoof, DSDS oder PSP zu unternehmen. Du bist faul? Du ernährst dich ungesund? Du lässt dich vom Fernseher verblöden? Du bist Deutschland!
Oder ganz knapp: du bist doof?
Besonders krasse Fälle eines neuartigen Virus zeigen sich jetzt im Internet: der geneigte Chatbesucher scheint inzwischen immun gegen Grammatik und Rechtschreibung zu sein, ja er ist regelrecht anfällig für Denglish, SMS- und Gangsta/Bitch-Style-Sprache.
Im DeppenVZ geben sich infantile Jugendliche, die einfach höllisch cool sind dann Namen wie "♥Je$$y♥tHa*bITcH.©" und schaffen es irgendwie die Deutsche Sprache vollends zu vergewaltigen.
"Sch" wird ganz lässig zu "sh", weil English-"Styl" - und hier paaren sich die zwei Sprachen und mischen "Style" und "Stil" - is voll krass yo man. Man kann fast schon froh sein, wenn man nicht zu lesen bekommt, jemand habe "Stiehl". Buchstabenvertauschaktionen auch sehr beliebt: und zwar kein Schnelltipp-Schreibfehler wie "amchen" - die man natürlich bei änderbaren Beitragen auch leicht korrigieren könnte - sondern beispielweise Mutationen von "k" zu "q" bzw. "s" zu "z" oder mitten im Wort ausbrechende Groß- und Kleinschreibung à la "cHEcKaZ".
Und welcher 14-jährige Oberchecker weiß denn noch wie man "Widerstand" schreibt, geschweige denn einen Superlativ bildet oder ein Komma setzt? Da wird einem vom "einzigsten" Fehler schon ganz "anderster" und die vielen "Kommas" werden nicht nur vernächlässigt, sondern auch falsch dekliniert. Das sind sicherlich NICHT alles Legastheniker.
Und Wörter oder Ausdrücke ausschreiben geht gar nicht mehr - wobei man natürlich auch keine Deutschen Begriffe abkürzt, sondern z.B. aus "Sorry" "sry" macht.
Ist ja logisch, dass man im Chat ein Mittel braucht, um den Tenor des Geschriebenen verständlich zu machen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt, aber wozu hat Gott uns denn die Smilies geschenkt? "lol", "rofl" und Co. müssen nun wirklich nicht sein - besonders wenn das dann am Ende noch in die Alltagssprache übergeht und das "Mario Barth"-Publikum irgendwann bei jedem unterirdischen als Witz deklarierten Schwachsinn "lol" schreit.
Was wäre wohl ein Mittel dagegen? Vielleicht noch eine Rechtschreibreform, damit der Duden-Verlag noch mehr Kohle in den Rachen geschmissen bekommt? Da kann dann auch "♥Je$$y♥tHa*bITcH.©"s Sprache in den Duden eingehen, weil sonst verstehen wir uns in Deutschland ja nicht mehr... oder noch weniger als sowieso schon.
Aber wozu haben wir DoofTV, das uns jetzt, zum Schutz vor der Schweinegrippe beibringen muss wie man seine Hände richtig wäscht - für die normale Grippe, an der jährlich 10.000 Menschen allein in Deutschland sterben sind solche "Aufklärungsmaßnahmen" natürlich unnötig. Kann man ja nicht derart medienwirksam "bewerben" wie eine Mutantenvirus-Grippe.
Außerdem: Lieber wegen einer ach-so-schrecklichen Pups-Grippe die Bevölkerung aufscheuchen und verunsichern, als etwas gegen wirkliche Gesundheitsgefahren wie McDoof, DSDS oder PSP zu unternehmen. Du bist faul? Du ernährst dich ungesund? Du lässt dich vom Fernseher verblöden? Du bist Deutschland!
Oder ganz knapp: du bist doof?
Besonders krasse Fälle eines neuartigen Virus zeigen sich jetzt im Internet: der geneigte Chatbesucher scheint inzwischen immun gegen Grammatik und Rechtschreibung zu sein, ja er ist regelrecht anfällig für Denglish, SMS- und Gangsta/Bitch-Style-Sprache.
Im DeppenVZ geben sich infantile Jugendliche, die einfach höllisch cool sind dann Namen wie "♥Je$$y♥tHa*bITcH.©" und schaffen es irgendwie die Deutsche Sprache vollends zu vergewaltigen.
"Sch" wird ganz lässig zu "sh", weil English-"Styl" - und hier paaren sich die zwei Sprachen und mischen "Style" und "Stil" - is voll krass yo man. Man kann fast schon froh sein, wenn man nicht zu lesen bekommt, jemand habe "Stiehl". Buchstabenvertauschaktionen auch sehr beliebt: und zwar kein Schnelltipp-Schreibfehler wie "amchen" - die man natürlich bei änderbaren Beitragen auch leicht korrigieren könnte - sondern beispielweise Mutationen von "k" zu "q" bzw. "s" zu "z" oder mitten im Wort ausbrechende Groß- und Kleinschreibung à la "cHEcKaZ".
Und welcher 14-jährige Oberchecker weiß denn noch wie man "Widerstand" schreibt, geschweige denn einen Superlativ bildet oder ein Komma setzt? Da wird einem vom "einzigsten" Fehler schon ganz "anderster" und die vielen "Kommas" werden nicht nur vernächlässigt, sondern auch falsch dekliniert. Das sind sicherlich NICHT alles Legastheniker.
Und Wörter oder Ausdrücke ausschreiben geht gar nicht mehr - wobei man natürlich auch keine Deutschen Begriffe abkürzt, sondern z.B. aus "Sorry" "sry" macht.
Ist ja logisch, dass man im Chat ein Mittel braucht, um den Tenor des Geschriebenen verständlich zu machen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt, aber wozu hat Gott uns denn die Smilies geschenkt? "lol", "rofl" und Co. müssen nun wirklich nicht sein - besonders wenn das dann am Ende noch in die Alltagssprache übergeht und das "Mario Barth"-Publikum irgendwann bei jedem unterirdischen als Witz deklarierten Schwachsinn "lol" schreit.
Was wäre wohl ein Mittel dagegen? Vielleicht noch eine Rechtschreibreform, damit der Duden-Verlag noch mehr Kohle in den Rachen geschmissen bekommt? Da kann dann auch "♥Je$$y♥tHa*bITcH.©"s Sprache in den Duden eingehen, weil sonst verstehen wir uns in Deutschland ja nicht mehr... oder noch weniger als sowieso schon.
Samstag, 23. Mai 2009
Schein oder Sein - das ist hier die Frage!
"Selig sind die geistig Armen, denn ihrer ist das Himmelreich." So soll es unser bekannter jüdischer Zimmermann in seiner Bergpredigt formuliert haben - doch hat schon mal jemand über die genaue Bedeutung dieser Worte nachgedacht?
Um es mal mit den Wise Guys zu sagen:"Der liebe Gott hat ganz bestimmt mit dir Erbarmen, denn es steht geschrieben: Selig sind die geistig Armen, doch manchmal frage ich mich, wer soll dafür haften? Kann der Himmel denn so viel Selige verkraften?"
Da ist es ja wohl kein Wunder, dass die Hölle in manchen Kreisen beliebter ist, als der Himmel - denn wer will die Eiwgkeit schon mit lauter Idioten verbringen?
Nur, wenn man sich mal so umsieht, stellt man auch des Öfteren fest, dass Dummheit und Intelligenz sich eigentlich nicht im mindesten ausschließen, dass auch sehr intelligente, gebildete Menschen völlig-vernagelte Idioten sein können.
Mich beschleicht das dumpfe Gefühl, dass Intelligenz nicht gleich Intelligenz ist - gute Noten oder Doktortitel nicht gleich Verstand. Und das im Land der Dichter und Denker! - in dem es allerdings schon lange keine namhaften Autoren mehr gibt, die es schaffen den - zugegebenermaßen schwafligen - Grad eines Schiller oder Goethe zu erreichen. Ich gebe klar zu, Schillers Dichtkünste lassen mir die Haare zu Berge stehen, doch seine Dramen sind weltweit bekannt und geschätzt - und wer schafft es schon, ein hervorragendes Bühnenstück zu vollenden, noch vor der Volljährigkeit?
Überall überfällt uns die Dummheit: in Form von Moderatoren mit abgeschlossenem Germanistikstudium, die völlig sinn- und hirnfreie Unterhaltungssendungen unter die Menschheit bringen, in Form von einfach nur blöden, sinnlosen Werbespots, von Menschen mit Spitzenabschlüssen erdacht oder verkörpert durch einfach idiotische Slogans - natürlich auf Neu-Deutsch, um einen Zielgruppe anzusprechen, die ihren Sinn sowieso nicht erkennt - Paradebeispiel Douglas.
Wir haben Dr. Prof. Sowieso, der sich an ein Rednerpult vor einer großen Menschenmasse stellt und verkündet, Homosexualität sei eine Krankheit, Dr. jur. Irgendwie, der den Obermotz-Anwalt der NPD stellt oder ach-so-hochqualifizierte Politiker, die, ohne eine Ahnung vom Leben eines HarzIV-Empfängers zu haben, glauben zu wissen, was das Beste für diesen ist. Geistig-kulturelle Elite sind pseudo-intellektuelle Kritiker, die alles runtermachen und Journalisten bestimmter Tageszeitungen, die sowieso nur Leute lesen, die zuviel Zeit und anscheinend zu viel Grips zum verschwenden haben.
Und diese Elite, all diese Doktoren und Professoren werden an unseren "Elite"-Gymnasien und -Universitäten herangezüchtet. "Wir sind Elite" haftet sich so gerne das örtliche humanistische Gymnasium ans Revers - trotz schlechter Lehrer, ständigen Unterrichtsausfalles und fehlender Materialien.
Die alt-ehrwürdige ehemalige Lateinschule der Quadratestadt beispielsweise kann ebenfalls vor allem eher mit Schein und weniger mit Sein dienen.
Der schlechteste Abitur-Jahrgang seit Jahrzehnten wählt sich voller Ironie "Elite braucht kein Motto" zum Abislogan - auch wenn scherzhaft gemeint (und von vielen als Affront verstanden) steckt in diesem Motto genau die Arroganz, die man glaubt sich leisten zu können - und die anscheinend zur Zeit einen Aufschwung erlebt: all die Elite-Bildungseinrichtungen sind - während viele noch vor wenigen Jahren wegen Schülermangels kurz vor der Schließung standen - heute völlig überlaufen.
Und die Kleinen werden schon mit ihren ersten Worten auf Erfolg getrimmt: regelrechte Business Kinderkrippen und -gärten mit Sprachkursen für die Kids schießen wie Pilze aus dem Boden. Ob diese Informationsüberschwemmungen den Kindern gut tun, ist dabei Nebensache - wichtig ist nur, dass der kleine Marcel-Flynn schon auf das spätere BWL-Studium gebrieft ist und dann auch ordentlich Firmen in den Bankrott treiben kann.
Wobei der kleine Lateinschüler warscheinlich nur selten "Marcel-Flynn" getauft wird: hochtrabende Namen wie "Thadeus", "Theodor", "Cornelius" oder "Leander" zeigen viel besser den hohen Einkommens- und Bildungsgrad der geschätzen Eltern, exotische Modenamen wie "Finn Lucas" oder "Chantal Mia" sind eher bei denen beliebt, auf die man gerne hinabschaut.
Die Dummheit sieht man gerne in diesen "Chantal"-Schichten zu Hause, mit Hauptschülern, die wegen schlechter Vorbildung durch die Eltern bzw. mangelnden Interesses der Eltern, durch Perspektivlosigkeit und Herabsetzung in der Gesellschaft, schon von Anfang an nicht im Mindesten motiviert sind, sich um einen guten Abschluss zu bemühen - ohne Förderung verkümmert so so manches Talent.
Umstände, die nichts mit Dummheit zu tun haben wie Faulheit (hier hängen leider doch meist Dummheit und Intelligenz zusammen) oder häufig nicht erkannte Probleme wie Legasthenie führen oft geradewegs zum "unteren" Bildungsabschluss, der heutzutage kaum noch Chancen im Berufsleben bietet.
Wir erhalten also am Ende eine zumeist ungebildete "Unterschicht", die von einer "Oberschicht" beherrscht wird, die sich für intelligent und kulturell-tonangebend hält und dabei meilenweit von der Lebensrealität entfernt ist.
Verkümmernde Intelligenz und hoch-gepushte Dummheit - na, herzlichen Pfannkuchen! Tolle Gesellschaft!
Um es mal mit den Wise Guys zu sagen:"Der liebe Gott hat ganz bestimmt mit dir Erbarmen, denn es steht geschrieben: Selig sind die geistig Armen, doch manchmal frage ich mich, wer soll dafür haften? Kann der Himmel denn so viel Selige verkraften?"
Da ist es ja wohl kein Wunder, dass die Hölle in manchen Kreisen beliebter ist, als der Himmel - denn wer will die Eiwgkeit schon mit lauter Idioten verbringen?
Nur, wenn man sich mal so umsieht, stellt man auch des Öfteren fest, dass Dummheit und Intelligenz sich eigentlich nicht im mindesten ausschließen, dass auch sehr intelligente, gebildete Menschen völlig-vernagelte Idioten sein können.
Mich beschleicht das dumpfe Gefühl, dass Intelligenz nicht gleich Intelligenz ist - gute Noten oder Doktortitel nicht gleich Verstand. Und das im Land der Dichter und Denker! - in dem es allerdings schon lange keine namhaften Autoren mehr gibt, die es schaffen den - zugegebenermaßen schwafligen - Grad eines Schiller oder Goethe zu erreichen. Ich gebe klar zu, Schillers Dichtkünste lassen mir die Haare zu Berge stehen, doch seine Dramen sind weltweit bekannt und geschätzt - und wer schafft es schon, ein hervorragendes Bühnenstück zu vollenden, noch vor der Volljährigkeit?
Überall überfällt uns die Dummheit: in Form von Moderatoren mit abgeschlossenem Germanistikstudium, die völlig sinn- und hirnfreie Unterhaltungssendungen unter die Menschheit bringen, in Form von einfach nur blöden, sinnlosen Werbespots, von Menschen mit Spitzenabschlüssen erdacht oder verkörpert durch einfach idiotische Slogans - natürlich auf Neu-Deutsch, um einen Zielgruppe anzusprechen, die ihren Sinn sowieso nicht erkennt - Paradebeispiel Douglas.
Wir haben Dr. Prof. Sowieso, der sich an ein Rednerpult vor einer großen Menschenmasse stellt und verkündet, Homosexualität sei eine Krankheit, Dr. jur. Irgendwie, der den Obermotz-Anwalt der NPD stellt oder ach-so-hochqualifizierte Politiker, die, ohne eine Ahnung vom Leben eines HarzIV-Empfängers zu haben, glauben zu wissen, was das Beste für diesen ist. Geistig-kulturelle Elite sind pseudo-intellektuelle Kritiker, die alles runtermachen und Journalisten bestimmter Tageszeitungen, die sowieso nur Leute lesen, die zuviel Zeit und anscheinend zu viel Grips zum verschwenden haben.
Und diese Elite, all diese Doktoren und Professoren werden an unseren "Elite"-Gymnasien und -Universitäten herangezüchtet. "Wir sind Elite" haftet sich so gerne das örtliche humanistische Gymnasium ans Revers - trotz schlechter Lehrer, ständigen Unterrichtsausfalles und fehlender Materialien.
Die alt-ehrwürdige ehemalige Lateinschule der Quadratestadt beispielsweise kann ebenfalls vor allem eher mit Schein und weniger mit Sein dienen.
Der schlechteste Abitur-Jahrgang seit Jahrzehnten wählt sich voller Ironie "Elite braucht kein Motto" zum Abislogan - auch wenn scherzhaft gemeint (und von vielen als Affront verstanden) steckt in diesem Motto genau die Arroganz, die man glaubt sich leisten zu können - und die anscheinend zur Zeit einen Aufschwung erlebt: all die Elite-Bildungseinrichtungen sind - während viele noch vor wenigen Jahren wegen Schülermangels kurz vor der Schließung standen - heute völlig überlaufen.
Und die Kleinen werden schon mit ihren ersten Worten auf Erfolg getrimmt: regelrechte Business Kinderkrippen und -gärten mit Sprachkursen für die Kids schießen wie Pilze aus dem Boden. Ob diese Informationsüberschwemmungen den Kindern gut tun, ist dabei Nebensache - wichtig ist nur, dass der kleine Marcel-Flynn schon auf das spätere BWL-Studium gebrieft ist und dann auch ordentlich Firmen in den Bankrott treiben kann.
Wobei der kleine Lateinschüler warscheinlich nur selten "Marcel-Flynn" getauft wird: hochtrabende Namen wie "Thadeus", "Theodor", "Cornelius" oder "Leander" zeigen viel besser den hohen Einkommens- und Bildungsgrad der geschätzen Eltern, exotische Modenamen wie "Finn Lucas" oder "Chantal Mia" sind eher bei denen beliebt, auf die man gerne hinabschaut.
Die Dummheit sieht man gerne in diesen "Chantal"-Schichten zu Hause, mit Hauptschülern, die wegen schlechter Vorbildung durch die Eltern bzw. mangelnden Interesses der Eltern, durch Perspektivlosigkeit und Herabsetzung in der Gesellschaft, schon von Anfang an nicht im Mindesten motiviert sind, sich um einen guten Abschluss zu bemühen - ohne Förderung verkümmert so so manches Talent.
Umstände, die nichts mit Dummheit zu tun haben wie Faulheit (hier hängen leider doch meist Dummheit und Intelligenz zusammen) oder häufig nicht erkannte Probleme wie Legasthenie führen oft geradewegs zum "unteren" Bildungsabschluss, der heutzutage kaum noch Chancen im Berufsleben bietet.
Wir erhalten also am Ende eine zumeist ungebildete "Unterschicht", die von einer "Oberschicht" beherrscht wird, die sich für intelligent und kulturell-tonangebend hält und dabei meilenweit von der Lebensrealität entfernt ist.
Verkümmernde Intelligenz und hoch-gepushte Dummheit - na, herzlichen Pfannkuchen! Tolle Gesellschaft!
Mittwoch, 13. Mai 2009
Unsinn²
Abwrackprämie mal anders - die Quadratestadt hat jetzt die Fahrrad-abwrackprämie auf die Bürger losgelassen und zahlt so für jedes Altrad, das zurückgebracht und gegen ein neues eingetauscht wird, den stolzen Kinkerlitz-Preis von, man höre und staune!, 50 Euro!
50 Euro mit denen sich viel anfangen lässt: man kann sie bei einem der hier wie Pilze aus dem Boden schießenden Frisörläden für einen neuen modischen Haarschnitt verschleudern, der einem nicht steht und für die 50 Euro auch noch völlig verschnitten ist. Oder man kauft sich im ortsansässigen Superkaufhaus ein paar Socken von Lagerfeld, im Süßwaren-Bussel ein paar matschige Pralinen oder vertrocknete, angestaubte Fruchtgummis und ein original Itzi-Bääh Eichbaum-Trikot mit Biergeruch - für 50 Euro liegt dir die Welt zu Füßen (oder um die Füße)...
Andererseits ist man die 50 Euro auch andersweitig schnell wieder los, wenn man von der ach-so-beschäftigten Ordnungspolizei beim Betreten der heiligen Grünflächen erwischt wird. Denn im Quadrat ist der Rasen um den Wasserturm ein Schrein² und das Betreten, ja auch nur das Umknicken eines Halmes strengstens verboten!
Man kann sich doch auch auf einer anderen Grünfläche niederlassen und zwischen Hundekot und braunen Glasscherben, entspannen. Denn der Hund darf sich hier so richtig austoben und alles nach Herzenslust markieren, am geschicktesten direkt auf den Spielplatz oder an die Grünfläche einer Kindertagesstätte - dabei stört diesen Teleskop-Arm des Gesetzes anscheinend nichts...
Stattdessen beratschlagen wir im Vorfeld der Gemeinderatswahl lieber über einen muslimischen Kindergarten im 1A-da-will-ich-sicher-nicht-wohnen-Vorzeigeviertel und verlieren dabei mal wieder die Realität aus den Augen. Ein muslimischer Kindergarten soll für bessere Integration und für den Spracherwerb der zumeist türkisch-stämmigen Immigranten sorgen... Was natürlich Sinn macht, wenn man möchte, dass (in dieser Gegend garantiert) türkische Erzieherinnen mit ihren türkischen Schützlingen deutsch sprechen und dass eben diese Kinder integriert werden!
Keine deutsche Familie würde ihre Kinder in einen muslimischen Kindergarten schicken, egal aus welchen Gründen, und die Umgangssprache wäre auch sicher nicht deutsch. Perfekte Vorraussetzungen also um Klein-Istanbul noch stärker abzukapseln!
Man verweist gerne auch auf Gleichbehandlung: wenn es christliche Kindergärten gibt, warum soll es dann keine muslimischen geben? Nur kann man, um (neben den oben genannten Gründen) einen Dialog zwischen den Kulturen und Religionen zu schaffen, nicht solche klaren Grenzen beibehalten. Für die angestrebte multireligiöse- bwz. -kulturelle und -nationale Gemeinschaft, muss diese Zusammenführung schon in der frühen Kindheit beginnen, und zwar mithilfe eines interreligiösen Kindergartens, der einen Austausch von Kultur und Sprache ermöglicht und den türkischen Kindern die deutsche Sprache vermittelt, die sie beherrschen müssen - nicht nur für die Integration in die Gesellschaft, sondern auch um ihnen eine gute Bildung bzw. eine berufliche Zukunft in Deutschland zu schaffen.
Wenigstens hat der Kommunalpolitiker so ein Wahlthema - bzw. hätte es, wenn man denn etwas über die Ziele und Programme der Kandidaten bzw. Parteien erführe. Denn statt mit Inhalten werben die großen Parteien lieber mit unsympathischen Gesichtern auf tausenden von Wahlplakaten, von denen dem Normalbürger² einer so unbekannt ist wie der andere.
Aber, lieber Wähler, gräme dich nicht! So kann wenigstens keiner etwas versprechen, was er sowieso nicht halten wird!
Der Protest gegen Block 9 käme zu spät, der muslimische Kindergarten ist eine herrlich-realitätsnahe und deshalb höchstwarscheinlich bereits geplante Idee, die totale Überwachung kommt sowieso bald und Schulen sowie Kindertagesstätten braucht ja eh keiner, da muss der geneigte Gemeinderat keine Gelder bewilligen...
50 Euro mit denen sich viel anfangen lässt: man kann sie bei einem der hier wie Pilze aus dem Boden schießenden Frisörläden für einen neuen modischen Haarschnitt verschleudern, der einem nicht steht und für die 50 Euro auch noch völlig verschnitten ist. Oder man kauft sich im ortsansässigen Superkaufhaus ein paar Socken von Lagerfeld, im Süßwaren-Bussel ein paar matschige Pralinen oder vertrocknete, angestaubte Fruchtgummis und ein original Itzi-Bääh Eichbaum-Trikot mit Biergeruch - für 50 Euro liegt dir die Welt zu Füßen (oder um die Füße)...
Andererseits ist man die 50 Euro auch andersweitig schnell wieder los, wenn man von der ach-so-beschäftigten Ordnungspolizei beim Betreten der heiligen Grünflächen erwischt wird. Denn im Quadrat ist der Rasen um den Wasserturm ein Schrein² und das Betreten, ja auch nur das Umknicken eines Halmes strengstens verboten!
Man kann sich doch auch auf einer anderen Grünfläche niederlassen und zwischen Hundekot und braunen Glasscherben, entspannen. Denn der Hund darf sich hier so richtig austoben und alles nach Herzenslust markieren, am geschicktesten direkt auf den Spielplatz oder an die Grünfläche einer Kindertagesstätte - dabei stört diesen Teleskop-Arm des Gesetzes anscheinend nichts...
Stattdessen beratschlagen wir im Vorfeld der Gemeinderatswahl lieber über einen muslimischen Kindergarten im 1A-da-will-ich-sicher-nicht-wohnen-Vorzeigeviertel und verlieren dabei mal wieder die Realität aus den Augen. Ein muslimischer Kindergarten soll für bessere Integration und für den Spracherwerb der zumeist türkisch-stämmigen Immigranten sorgen... Was natürlich Sinn macht, wenn man möchte, dass (in dieser Gegend garantiert) türkische Erzieherinnen mit ihren türkischen Schützlingen deutsch sprechen und dass eben diese Kinder integriert werden!
Keine deutsche Familie würde ihre Kinder in einen muslimischen Kindergarten schicken, egal aus welchen Gründen, und die Umgangssprache wäre auch sicher nicht deutsch. Perfekte Vorraussetzungen also um Klein-Istanbul noch stärker abzukapseln!
Man verweist gerne auch auf Gleichbehandlung: wenn es christliche Kindergärten gibt, warum soll es dann keine muslimischen geben? Nur kann man, um (neben den oben genannten Gründen) einen Dialog zwischen den Kulturen und Religionen zu schaffen, nicht solche klaren Grenzen beibehalten. Für die angestrebte multireligiöse- bwz. -kulturelle und -nationale Gemeinschaft, muss diese Zusammenführung schon in der frühen Kindheit beginnen, und zwar mithilfe eines interreligiösen Kindergartens, der einen Austausch von Kultur und Sprache ermöglicht und den türkischen Kindern die deutsche Sprache vermittelt, die sie beherrschen müssen - nicht nur für die Integration in die Gesellschaft, sondern auch um ihnen eine gute Bildung bzw. eine berufliche Zukunft in Deutschland zu schaffen.
Wenigstens hat der Kommunalpolitiker so ein Wahlthema - bzw. hätte es, wenn man denn etwas über die Ziele und Programme der Kandidaten bzw. Parteien erführe. Denn statt mit Inhalten werben die großen Parteien lieber mit unsympathischen Gesichtern auf tausenden von Wahlplakaten, von denen dem Normalbürger² einer so unbekannt ist wie der andere.
Aber, lieber Wähler, gräme dich nicht! So kann wenigstens keiner etwas versprechen, was er sowieso nicht halten wird!
Der Protest gegen Block 9 käme zu spät, der muslimische Kindergarten ist eine herrlich-realitätsnahe und deshalb höchstwarscheinlich bereits geplante Idee, die totale Überwachung kommt sowieso bald und Schulen sowie Kindertagesstätten braucht ja eh keiner, da muss der geneigte Gemeinderat keine Gelder bewilligen...
Sonntag, 10. Mai 2009
Ein bisschen Angst muss sein
Es macht ohnefrage Spaß, sich im überteuerten Freizeitpark hinter dem nächsten Kuhkaff vom Freefall-Tower oder ähnlichen Absurditäten zu stürzen und sich dabei die Stimmbänder wund zu schreien - da besonders bei der weiblichen Bevölkerung gebührende Angst und Hysterie unabdingbar zu sein scheinen -, aber wozu brauchen wir diesen Kick?
Wir schweben nicht in ständiger Lebensgefahr, wie Ötzi und Konsorten - mal von der Bedrohung Killerspiele-spielender Amokläufer, seniler Geisterfahrer oder herabfallender Blumentöpfe abgesehen - und müssen uns diese ordentliche Portion Adrenalin wohl nun auf anderem Wege beschaffen. Ob man jetzt die Achterbahn vollkotzt, beim Bungee-Jumping nur knapp einer letzten Gehirnerschütterung entgeht oder beim Freeclimbing Adler bespannt, all das bringt uns so richtig auf Hochtouren.
Der Nervenkitzel bei der Mammutjagd, wird durch die Jagd auf den Ball ersetzt, statt durch die Wälder zu sprinten, sprintet man über einen schicken Rasen - Gefahr für das Leben (solange kein Ufo auf einem landet oder ein französischer Fußballer seine Wut nicht unter Kontrolle hat)gleich null.
Während Ötzi nachts unruhig auf die Tiergeräusche außerhalb der Höhle lauschte, zieht man sich heute vor dem Schlafengehen noch schnell einen blutigen Blockbuster-Horrorstreifen rein, bei dem man vielleicht ein bisschen versucht unter die Couch zu kriechen und hinterher lieber nochmal im Klo nach Monstern forscht - nur für den Fall... war ja bloß ein Film, ist ja alles nicht echt. Das Leben ist alles in allem so sicher wie nie, also müssen neue Furcht-Quellen her: ob man nun sein Leben tatsächlich in Gefahr bringt oder sich einfach ein bisschen harmlosen Angstschweiß gönnt - es bietet die Action, die man in seinem tristen und relativ ereignslosen Alltag braucht.
Und vielleicht geht es einem danach wesentlich besser: auf in den Anzug, ab in die Firma und den Hintern auf den Sessel pflanzen - und wem das nicht reicht: so eine kleine Krise gibt sicherlich eine Energie-Spritze...
Wir schweben nicht in ständiger Lebensgefahr, wie Ötzi und Konsorten - mal von der Bedrohung Killerspiele-spielender Amokläufer, seniler Geisterfahrer oder herabfallender Blumentöpfe abgesehen - und müssen uns diese ordentliche Portion Adrenalin wohl nun auf anderem Wege beschaffen. Ob man jetzt die Achterbahn vollkotzt, beim Bungee-Jumping nur knapp einer letzten Gehirnerschütterung entgeht oder beim Freeclimbing Adler bespannt, all das bringt uns so richtig auf Hochtouren.
Der Nervenkitzel bei der Mammutjagd, wird durch die Jagd auf den Ball ersetzt, statt durch die Wälder zu sprinten, sprintet man über einen schicken Rasen - Gefahr für das Leben (solange kein Ufo auf einem landet oder ein französischer Fußballer seine Wut nicht unter Kontrolle hat)gleich null.
Während Ötzi nachts unruhig auf die Tiergeräusche außerhalb der Höhle lauschte, zieht man sich heute vor dem Schlafengehen noch schnell einen blutigen Blockbuster-Horrorstreifen rein, bei dem man vielleicht ein bisschen versucht unter die Couch zu kriechen und hinterher lieber nochmal im Klo nach Monstern forscht - nur für den Fall... war ja bloß ein Film, ist ja alles nicht echt. Das Leben ist alles in allem so sicher wie nie, also müssen neue Furcht-Quellen her: ob man nun sein Leben tatsächlich in Gefahr bringt oder sich einfach ein bisschen harmlosen Angstschweiß gönnt - es bietet die Action, die man in seinem tristen und relativ ereignslosen Alltag braucht.
Und vielleicht geht es einem danach wesentlich besser: auf in den Anzug, ab in die Firma und den Hintern auf den Sessel pflanzen - und wem das nicht reicht: so eine kleine Krise gibt sicherlich eine Energie-Spritze...
Donnerstag, 23. April 2009
"Sapere Aude!" - Eine Prise hiervon, eine Prise davon...
"Tut mir leid. Das steht so nicht in der Tora!""Man hat es mir aber so gesagt..."
So oder so ähnlich lautet ein Teil eines Gespräches zwischen zwei Jüdinnen in dem Film "Ma petite Jerusalem" - und so oder so ähnlich konnte es sich (zumindest) bei allen drei monotheistischen Religionen abspielen.
Ich lerne, was meine Eltern, meine Familie und/oder ältere Mitglieder der Gemeinschaft mir beibringen. Wozu soll ich denn die heilige Schrift, ob Koran, Tora/AT oder Bibel lesen, solange es doch Menschen gibt, die sie mir vorkauen?
Wenn ich unvoreingenommen einen solchen Text lese, habe ich meist(besonders aufgrund altertümlicher Formulierungen)Schwierigkeiten, sofort den Sinn der Worte zu erfassen. Ich bilde mir meine eigene Interpretation und baue darauf meinen Glauben bzw. meine Haltung zu jener Religion auf.
Tja, nun ist die Sache dummerweise die, dass meine Eltern mich nur selten entscheiden lassen, ob und wenn ja, welcher Religion ich angehören möchte - sprich ich bin immer vorgepolt.
Je nachdem werde ich getauft, beschnitten oder wird mir der Name Allahs bei meiner Geburt ins Ohr geflüstert - ich werde im Grunde dazu gezwungen, sollte ich einmal meine Meinung zu Religion soweit gebildet haben, dass ich mit nicht mehr zufrieden bin, ersteinmal (gegen Entgeld, versteht sich)auszutreten oder mich von meiner fundamentalistischen Sippschaft in die ewigen Jagdgründe befördern zu lassen.
Und mit Taufe und Co. fängt der Spaß ja erst an! Dem folgen religiöse Riten, die mich endgültig in die Herde eingliedern sollen - und natürlich ist es für einen eigentlich nicht-gläubigen Pubertierenden schwer, Konfirmation oder Bar Mizwah abzulehnen, wenn Geschenke und Geld winken.
Genauso der Religionsunterricht: 90% der Schüler sitzen mit höchster Warscheinlichkeit im Religionsunterricht, ohne sich auch nur im Geringsten für die Materie zu interessieren oder gar die Bibel gelesen zu haben. Wer käme denn auf die Idee?!
Der Unterricht ist oft eine Spaßveranstaltung, in der man fröhlich Bibelstellen interpretiert, aus einer verdammt objektiven Sicht etwas über andere Glaubensrichtungen lernt und ein bisschen (natürlich nicht zu sehr) philosophisch herumschwafelt.
Stattdessen Ethik-Unterricht vielleicht?
Niemand soll behaupten, Ethik-Lehrer wären unvoreingenommen, niemand kann und wird jemals völlig objektiv sein, aber der Ethik-Unterricht macht zumindest den Versuch, den Schülern eine neutrale Sichtweise auf Religionen, sowie Standpunkte verschiedener Philosophen und Religionskritiker UND moralische Regeln/Gesetze zu vermitteln. So etwas kann, nein, soll, unter Umständen zu eigentständigem Denken, zu Diskussionen und möglicherweise auch Einsichten führen.
Der Ethik-Unterricht scheint mir die beste Option zu sein, doch auch hier scheitern wir kläglich. Wir lernen, was Kant mit seinen tausend unverständlichen Nebensätzen auch kurz und knapp hätte sagen können, wir werden niemals sein "Sapere aude!" vergessen - selbstverfreilich auch nie anwenden - und beginnen, unserem Lehrer sei Dank, den guten Immanuel zu hassen.
Wem nützt es schon, wenn die Schüler es wagen, "sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen"? Wenn sie "wagen zu denken"?
Wir kauen alles durch, von einer Backe wird seine "Metaphysik der Sitten" in die andere geschoben und schließlich geschluckt und unverdaut ausgeschieden.
Religion wird mir ebenso verhasst gemacht wie Philosophie und Ethik.
Entweder lerne ich Gründe dafür, eine Religion abzulehnen, ohne dabei unter die Oberfläche zu sehen, oder mir wird die Religion indoktriniert, sodass ich glaube ohne zu hinterfragen...
Es geht eigentlich nicht um das "Was?", sondern um das "Wie?", um die Vermittlung.
So oder so ähnlich lautet ein Teil eines Gespräches zwischen zwei Jüdinnen in dem Film "Ma petite Jerusalem" - und so oder so ähnlich konnte es sich (zumindest) bei allen drei monotheistischen Religionen abspielen.
Ich lerne, was meine Eltern, meine Familie und/oder ältere Mitglieder der Gemeinschaft mir beibringen. Wozu soll ich denn die heilige Schrift, ob Koran, Tora/AT oder Bibel lesen, solange es doch Menschen gibt, die sie mir vorkauen?
Wenn ich unvoreingenommen einen solchen Text lese, habe ich meist(besonders aufgrund altertümlicher Formulierungen)Schwierigkeiten, sofort den Sinn der Worte zu erfassen. Ich bilde mir meine eigene Interpretation und baue darauf meinen Glauben bzw. meine Haltung zu jener Religion auf.
Tja, nun ist die Sache dummerweise die, dass meine Eltern mich nur selten entscheiden lassen, ob und wenn ja, welcher Religion ich angehören möchte - sprich ich bin immer vorgepolt.
Je nachdem werde ich getauft, beschnitten oder wird mir der Name Allahs bei meiner Geburt ins Ohr geflüstert - ich werde im Grunde dazu gezwungen, sollte ich einmal meine Meinung zu Religion soweit gebildet haben, dass ich mit nicht mehr zufrieden bin, ersteinmal (gegen Entgeld, versteht sich)auszutreten oder mich von meiner fundamentalistischen Sippschaft in die ewigen Jagdgründe befördern zu lassen.
Und mit Taufe und Co. fängt der Spaß ja erst an! Dem folgen religiöse Riten, die mich endgültig in die Herde eingliedern sollen - und natürlich ist es für einen eigentlich nicht-gläubigen Pubertierenden schwer, Konfirmation oder Bar Mizwah abzulehnen, wenn Geschenke und Geld winken.
Genauso der Religionsunterricht: 90% der Schüler sitzen mit höchster Warscheinlichkeit im Religionsunterricht, ohne sich auch nur im Geringsten für die Materie zu interessieren oder gar die Bibel gelesen zu haben. Wer käme denn auf die Idee?!
Der Unterricht ist oft eine Spaßveranstaltung, in der man fröhlich Bibelstellen interpretiert, aus einer verdammt objektiven Sicht etwas über andere Glaubensrichtungen lernt und ein bisschen (natürlich nicht zu sehr) philosophisch herumschwafelt.
Stattdessen Ethik-Unterricht vielleicht?
Niemand soll behaupten, Ethik-Lehrer wären unvoreingenommen, niemand kann und wird jemals völlig objektiv sein, aber der Ethik-Unterricht macht zumindest den Versuch, den Schülern eine neutrale Sichtweise auf Religionen, sowie Standpunkte verschiedener Philosophen und Religionskritiker UND moralische Regeln/Gesetze zu vermitteln. So etwas kann, nein, soll, unter Umständen zu eigentständigem Denken, zu Diskussionen und möglicherweise auch Einsichten führen.
Der Ethik-Unterricht scheint mir die beste Option zu sein, doch auch hier scheitern wir kläglich. Wir lernen, was Kant mit seinen tausend unverständlichen Nebensätzen auch kurz und knapp hätte sagen können, wir werden niemals sein "Sapere aude!" vergessen - selbstverfreilich auch nie anwenden - und beginnen, unserem Lehrer sei Dank, den guten Immanuel zu hassen.
Wem nützt es schon, wenn die Schüler es wagen, "sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen"? Wenn sie "wagen zu denken"?
Wir kauen alles durch, von einer Backe wird seine "Metaphysik der Sitten" in die andere geschoben und schließlich geschluckt und unverdaut ausgeschieden.
Religion wird mir ebenso verhasst gemacht wie Philosophie und Ethik.
Entweder lerne ich Gründe dafür, eine Religion abzulehnen, ohne dabei unter die Oberfläche zu sehen, oder mir wird die Religion indoktriniert, sodass ich glaube ohne zu hinterfragen...
Es geht eigentlich nicht um das "Was?", sondern um das "Wie?", um die Vermittlung.
Dienstag, 21. April 2009
Prost, Mahlzeit!
"Du bist, was du isst!" - zumindest auf einen Großteil der Hühner, Kühe und Co. trifft diese gerne benutzte Phrase zu. Statt frischem Gras auf der Weide bekommen unsere Nutztiere heute unsere Abfälle, sprich das, was wir von ihren Artgenossen auf unserem Teller liegen lassen und fröhlich in den Müll kippen.
Tiere, die eigentlich reine Pflanzenfresser sind, werden praktisch dazu gezwungen, tierische - eigentlich nicht mehr verwertbare - Produkte zu sich zu nehmen, sie werden mit Abfällen gefüttert und gemästet, mit Medikamenten aufgepumpt und zu, nun ja, "unnatürlichen" Produktionsmengen gedopt. Kleine, flauschige weiße Hühner, die von Natur aus vielleicht 30 Eier im Jahr legen würden, legen jetzt das zehnfache - selbstverständlich in kleinen, engen, schmutzigen Käfigen, aneinander und übereinandergereiht, bei ewig-schummrigem Dämmerlicht.
Billige Produktion, billiges Endprodukt! Dass diese Erzeungung eine grausame Folter für die Tiere ist, interessiert dabei die wenigsten. Diese ganzen BWL-studierten Firmenchefs interessieren sich nicht die Bohne für ihre Produzenten (Nein, man denkt nicht in wertschätzenden Maßstäben von "Tieren", wir haben es hier mit unglücklicherweise atmenden Maschinen zu tun!). Auf dem ganzen Weg zu unserer großen Auswahl an preiswerten tierischen Erzeugnissen, liegen unbeschreibliche Qualen für die Tiere: Gänse, die mit Gewalt regelrecht vollgestopft werden, Schweine, die an völliger Überfettung ihrer inneren Organe sterben, Hühner, die mit ihren kleinen Körpern XXL-Eier produzieren - all das bildet unsere Mahlzeiten, all die Fette und die Medikamente,die den Tieren für ihre "Gesundheit" verabreicht werden, landen schließlich in unserem Körper. Die Folgen sind absehbar...
Man könnte natürlich jetzt Vegetarier werden oder - konsequenterweise - Veganer, aber nur die allerwenigsten möchten ganz auf Fleisch verzichten.
Also kämen Bio-Produkte in Frage - zur Zeit, da wir einen regelrechten Bio- und Gesundheits-Boom erleben, sollte das ja eigentlich auch kein Problem sein.
Nur, Lebensmittel aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft sind teuer - zumindest im Vergleich mit dem Angebot im Otto-Normalverbraucher-Supermarkt, in dem die Angestellten mies behandelt werden.
Eine drastische Reduzierung unseres Fleischkonsums bzw. generell des Konsums tierischer Erzeugnisse wäre - neben einem (eine zugegegebenermaßen utopische Idee...) Umdenken der Hersteller - also durchaus hilfreich: pro Woche einmal Ei und, wie in früheren Zeiten, nur sonntags Braten, sind vollkommen ausreichend.
Genauso sieht es mit Fisch aus: ich, hier im Inland, fernab vom Meer, muss nicht ständig Meeresfrüchte essen, und rein ernährungstechnisch würde ein Salzwasserfisch im Monat doch auch genügen.
Wir sind dermaßen verwöhnt, ein Überangebot an Nahrungsmitteln zu haben, dass wir den Überschuss daran gar nicht bemerken oder beachten. Jeden Tag werden Unmengen an einwandfreien Lebensmitteln weggeworfen, ohne dabei auch nur eine Sekunde an all die Tiere zu denken, die dafür leiden mussten - und ohne es wenigstens Obdachlosen und sonstigen Bedürftigen zu überlassen. Wir fischen die Meere leer, zerstören biologische und ökologische Kreisläufe, die unsere Erde am Leben erhalten, nur damit alles im Müll landet?!
Sieht so unsere Welt aus?!
Wir konsumieren und konsumieren und fressen die ganze Welt in unsere fetten Bäuche hinein, höhlen sie aus und überlassen den Rest sich selbst. "Mal sehen, was passiert... Vielleicht macht sich ja alles von selbst wieder heil!"
Und Tier- bzw. Umweltschützer, die versuchen etwas dagegen diese Entwicklungen zu unternehmen, werden gleich als "militant" bezeichnet und verteufelt - na, dann: Prost, Mahlzeit!
Peta
Greenpeace
Tiere, die eigentlich reine Pflanzenfresser sind, werden praktisch dazu gezwungen, tierische - eigentlich nicht mehr verwertbare - Produkte zu sich zu nehmen, sie werden mit Abfällen gefüttert und gemästet, mit Medikamenten aufgepumpt und zu, nun ja, "unnatürlichen" Produktionsmengen gedopt. Kleine, flauschige weiße Hühner, die von Natur aus vielleicht 30 Eier im Jahr legen würden, legen jetzt das zehnfache - selbstverständlich in kleinen, engen, schmutzigen Käfigen, aneinander und übereinandergereiht, bei ewig-schummrigem Dämmerlicht.
Billige Produktion, billiges Endprodukt! Dass diese Erzeungung eine grausame Folter für die Tiere ist, interessiert dabei die wenigsten. Diese ganzen BWL-studierten Firmenchefs interessieren sich nicht die Bohne für ihre Produzenten (Nein, man denkt nicht in wertschätzenden Maßstäben von "Tieren", wir haben es hier mit unglücklicherweise atmenden Maschinen zu tun!). Auf dem ganzen Weg zu unserer großen Auswahl an preiswerten tierischen Erzeugnissen, liegen unbeschreibliche Qualen für die Tiere: Gänse, die mit Gewalt regelrecht vollgestopft werden, Schweine, die an völliger Überfettung ihrer inneren Organe sterben, Hühner, die mit ihren kleinen Körpern XXL-Eier produzieren - all das bildet unsere Mahlzeiten, all die Fette und die Medikamente,die den Tieren für ihre "Gesundheit" verabreicht werden, landen schließlich in unserem Körper. Die Folgen sind absehbar...
Man könnte natürlich jetzt Vegetarier werden oder - konsequenterweise - Veganer, aber nur die allerwenigsten möchten ganz auf Fleisch verzichten.
Also kämen Bio-Produkte in Frage - zur Zeit, da wir einen regelrechten Bio- und Gesundheits-Boom erleben, sollte das ja eigentlich auch kein Problem sein.
Nur, Lebensmittel aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft sind teuer - zumindest im Vergleich mit dem Angebot im Otto-Normalverbraucher-Supermarkt, in dem die Angestellten mies behandelt werden.
Eine drastische Reduzierung unseres Fleischkonsums bzw. generell des Konsums tierischer Erzeugnisse wäre - neben einem (eine zugegegebenermaßen utopische Idee...) Umdenken der Hersteller - also durchaus hilfreich: pro Woche einmal Ei und, wie in früheren Zeiten, nur sonntags Braten, sind vollkommen ausreichend.
Genauso sieht es mit Fisch aus: ich, hier im Inland, fernab vom Meer, muss nicht ständig Meeresfrüchte essen, und rein ernährungstechnisch würde ein Salzwasserfisch im Monat doch auch genügen.
Wir sind dermaßen verwöhnt, ein Überangebot an Nahrungsmitteln zu haben, dass wir den Überschuss daran gar nicht bemerken oder beachten. Jeden Tag werden Unmengen an einwandfreien Lebensmitteln weggeworfen, ohne dabei auch nur eine Sekunde an all die Tiere zu denken, die dafür leiden mussten - und ohne es wenigstens Obdachlosen und sonstigen Bedürftigen zu überlassen. Wir fischen die Meere leer, zerstören biologische und ökologische Kreisläufe, die unsere Erde am Leben erhalten, nur damit alles im Müll landet?!
Sieht so unsere Welt aus?!
Wir konsumieren und konsumieren und fressen die ganze Welt in unsere fetten Bäuche hinein, höhlen sie aus und überlassen den Rest sich selbst. "Mal sehen, was passiert... Vielleicht macht sich ja alles von selbst wieder heil!"
Und Tier- bzw. Umweltschützer, die versuchen etwas dagegen diese Entwicklungen zu unternehmen, werden gleich als "militant" bezeichnet und verteufelt - na, dann: Prost, Mahlzeit!
Peta
Greenpeace
Montag, 20. April 2009
Tot - schlagenden Herzens
In welcher Welt leben wir, dass ein Mensch nicht mehr imstande ist, Gefühle nach zu empfinden? Mit anderen "echten" Menschen mit zu fühlen?
Wir sehen uns täglich Seifenopern an, die vor platten, ständig wechselnden Emotionen nur so strotzen - heute hat A in B die große Liebe gefunden, zwei Tage später ist es schon C, der As Gefühle fesselt... man bekommt die Gefühle, die Art diese zu leben, fertig vorgesetzt - à la 5-Minuten-Gefühlsterrine von Liebe-geht-durch-Maggi.
Wie soll da der Mensch noch wissen, was es bedeutet treu zu sein oder eine langewährende Bindung einzugehen?
Man kommt zusammen, man trennt sich, man kommt mit jemand anderem zusammen - man verliebt sich heute unsterblich in jemanden - bis am Horizont der nächste Kandidat auftaucht, nach dem man sich verzehren kann...
Und diese Wechselhaftigkeit tritt nicht nur in der Liebe zutage - auch Freundschaften entstehen und zerbrechen, man findet tausende Freunde und wundert sich, dass man dennoch einsam ist. Emotionen gehen nicht mehr tief, sie sind genauso oberflächlich wie alles Andere in dieser Welt.
Leidenschaft empfinden, tiefe Gefühle, ob Liebe oder Hass - dazu scheinen wir kaum noch in der Lage zu sein... Wer spricht oder schreibt denn noch mit der tief empfundenen Leidenschaft eines jungen Schiller, wer empfindet denn noch dieses innere Feuer?
"Das Land der Dichter und Denker" war gestern. Heute lesen wir massengerechten Vampir-Kitsch aus der Dose, Ekel-Bücher irgendwelcher Fernsehmoderatorinnen, die an Peinlichkeit und Selbstprofilierungsdrang kaum zu übertreffen sind, und das neuste "Buch zum Film" - natürlich mit vielen Bildern, damit man sein Gehirn auch ja nicht zu sehr anstrengen muss. Phantasie ist schließlich was für Idioten und Träumer.
Auf den herrlich mit sinnloser Werbung überhäuften Privatsendern casten IQ-schwache Luxuszicken sich ihre beste Freundin und fühlen sich auch noch toll dabei. Und immer nach der Devise "Geld schafft Freunde" - dass man einen wahren Freund oder auch eine Liebe nicht per medienwirksamem Casting finden kann, ist dabei Nebensache.
Und der Zuschauer saugt diese falschen Welten mit reiner Geilheit in sich hinein. Man nimmt sich solche Vorbilder, man möchte ebenfalls seinen Teetassen-Fiffi in der Gucci-Tasche mit sich herumtragen, als essgestörter Kleiderständer über den Laufsteg staksen oder einmal beim Nussknacker der Nation vorsingen und sich zum Affen machen.
Und wo kämen wir denn hin, wenn wir in unserem Freundeskreis diese wunderbaren Themen nicht mehr hätten, über die wir uns austauschen können? "Was?! Du weißt nicht, dass Chantal gestern rausgevotet wurde?!" Weltuntergang!
Warum sollten wir uns über Literatur austauschen, unsere eigenen Probleme versuchen zu klären oder über wirkliche wichtige Weltgeschehnisse diskutieren, wenn wir doch diese bunte, aufgeblasene Promiwelt haben?
Vergesst euer Herz und euer Hirn - in dieser Welt sind sie nur unnötiger Ballast, der
die Medienumsätze drückt!
Wir sehen uns täglich Seifenopern an, die vor platten, ständig wechselnden Emotionen nur so strotzen - heute hat A in B die große Liebe gefunden, zwei Tage später ist es schon C, der As Gefühle fesselt... man bekommt die Gefühle, die Art diese zu leben, fertig vorgesetzt - à la 5-Minuten-Gefühlsterrine von Liebe-geht-durch-Maggi.
Wie soll da der Mensch noch wissen, was es bedeutet treu zu sein oder eine langewährende Bindung einzugehen?
Man kommt zusammen, man trennt sich, man kommt mit jemand anderem zusammen - man verliebt sich heute unsterblich in jemanden - bis am Horizont der nächste Kandidat auftaucht, nach dem man sich verzehren kann...
Und diese Wechselhaftigkeit tritt nicht nur in der Liebe zutage - auch Freundschaften entstehen und zerbrechen, man findet tausende Freunde und wundert sich, dass man dennoch einsam ist. Emotionen gehen nicht mehr tief, sie sind genauso oberflächlich wie alles Andere in dieser Welt.
Leidenschaft empfinden, tiefe Gefühle, ob Liebe oder Hass - dazu scheinen wir kaum noch in der Lage zu sein... Wer spricht oder schreibt denn noch mit der tief empfundenen Leidenschaft eines jungen Schiller, wer empfindet denn noch dieses innere Feuer?
"Das Land der Dichter und Denker" war gestern. Heute lesen wir massengerechten Vampir-Kitsch aus der Dose, Ekel-Bücher irgendwelcher Fernsehmoderatorinnen, die an Peinlichkeit und Selbstprofilierungsdrang kaum zu übertreffen sind, und das neuste "Buch zum Film" - natürlich mit vielen Bildern, damit man sein Gehirn auch ja nicht zu sehr anstrengen muss. Phantasie ist schließlich was für Idioten und Träumer.
Auf den herrlich mit sinnloser Werbung überhäuften Privatsendern casten IQ-schwache Luxuszicken sich ihre beste Freundin und fühlen sich auch noch toll dabei. Und immer nach der Devise "Geld schafft Freunde" - dass man einen wahren Freund oder auch eine Liebe nicht per medienwirksamem Casting finden kann, ist dabei Nebensache.
Und der Zuschauer saugt diese falschen Welten mit reiner Geilheit in sich hinein. Man nimmt sich solche Vorbilder, man möchte ebenfalls seinen Teetassen-Fiffi in der Gucci-Tasche mit sich herumtragen, als essgestörter Kleiderständer über den Laufsteg staksen oder einmal beim Nussknacker der Nation vorsingen und sich zum Affen machen.
Und wo kämen wir denn hin, wenn wir in unserem Freundeskreis diese wunderbaren Themen nicht mehr hätten, über die wir uns austauschen können? "Was?! Du weißt nicht, dass Chantal gestern rausgevotet wurde?!" Weltuntergang!
Warum sollten wir uns über Literatur austauschen, unsere eigenen Probleme versuchen zu klären oder über wirkliche wichtige Weltgeschehnisse diskutieren, wenn wir doch diese bunte, aufgeblasene Promiwelt haben?
Vergesst euer Herz und euer Hirn - in dieser Welt sind sie nur unnötiger Ballast, der
die Medienumsätze drückt!
Sonntag, 19. April 2009
Blind - sehenden Auges
Ich habe das Gefühl, dass die Menschen nichts mehr sehen. Sie laufen durch die kalte stinkende, graue Stadt, in ein Geschäft rein, aus dem Geschäft raus - und dann nach Hause. Man fährt vielleicht mit dem Fahrrad - weil schönes Wetter ist oder weil die Benzinpreise zu hoch sind (Nein, wer würde denn schon sein Auto aus Umweltbewusstsein stehen lassen?!) - vorbei an einem schönen Fluss, auf dessen Wogen sich die Sonne in tausend kleinen Diamanten bricht ... und ist blind.
Die Leute trampeln über die Blumenwiesen, lassen Kastanien oder schöne Blätter achtlos am Wegesrand liegen und kaufen sich dann auf dem Markt ein hübsches Blumengesteck für's Wohnzimmer daheim, das aus GENAU den gleichen Blumen, Kastanien und Blättern gemacht wurde, die sie eben noch übersehen haben... aber DAS hat ja der kluge Florist gemacht, der mit seinen schrecklichen einfach-alles-reinstecken-und-ein-hübsches-Band-drumwickeln Kreationen mal wieder Geschmack bewiesen hat.
"Die Sonne scheint? Da kann ich mich ja in die Sonne legen zum kross braten!" Dann noch im Park grillen gehen und den Abfall ins Gras werfen.
Keiner sieht dieses schöne warme Licht, das kleine Alleen in Feenländer verwandelt oder riecht den Duft der wilden Rosen! Nein, lieber kauft man sich alles eingedost! Die wilden Rosen duften unglaublich sinnlich? Na und? Die aus dem Blumenladen sehen aber perfekter aus und so wie ich es kenne.
Wer kann denn heuten noch Winden von Mohnblumen unterscheiden? Oder eine Eiche von einer Buche?
Die Natur ist doch wunderschön, an jeder Ecke und wert, endeckt und erforscht zu werden.
Die Wolken, die wahre Gebirge am Himmel bilden, Seen, die voller Leben und voll ganzer Welten stecken, wunderschöne farbenprächtige Schmetterlinge und kleine Marienkäfer, der herrliche kühle Wind, das balzende Gezwitscher der Vögel, die Sonne im Gesicht - das ist Schönheit. Und dann kommt der Regen und wäscht den Staub der Pflastersteine hinfort.
Die Straßen und Gassen duften nun nach Regen, die Blüten der Bäume und Sträucher sind schwer vor Nässe, der Flieder benebelt dem Vorbeiziehenden die Sinne und das in abertausenden von Regentropfen glitzernde Efeu räkelt sich genüßlich an verrosteten Gartentoren. Doch der Mensch eilt vorbei, die Köpfe zwischen die Schultern gezogen, mit Einkaufstaschen beladen und beachtet die Natur um ihn herum nicht.
"Sie mal, Mama, was für eine schöne Blume!" "Blumen kriegst du im Laden - und fass das bloß nicht an, wer weiß welche Tiere da schon dran waren!"
Wozu haben wir denn unsere Sinne, Gedanken und Anlagen, Ästhetik zu erkennen und daraus kleine Momente der Freiheit und des Glücks zu schaffen, wenn wir sie in dieser kalten, digitalisierten Welt vergessen?
Die Leute trampeln über die Blumenwiesen, lassen Kastanien oder schöne Blätter achtlos am Wegesrand liegen und kaufen sich dann auf dem Markt ein hübsches Blumengesteck für's Wohnzimmer daheim, das aus GENAU den gleichen Blumen, Kastanien und Blättern gemacht wurde, die sie eben noch übersehen haben... aber DAS hat ja der kluge Florist gemacht, der mit seinen schrecklichen einfach-alles-reinstecken-und-ein-hübsches-Band-drumwickeln Kreationen mal wieder Geschmack bewiesen hat.
"Die Sonne scheint? Da kann ich mich ja in die Sonne legen zum kross braten!" Dann noch im Park grillen gehen und den Abfall ins Gras werfen.
Keiner sieht dieses schöne warme Licht, das kleine Alleen in Feenländer verwandelt oder riecht den Duft der wilden Rosen! Nein, lieber kauft man sich alles eingedost! Die wilden Rosen duften unglaublich sinnlich? Na und? Die aus dem Blumenladen sehen aber perfekter aus und so wie ich es kenne.
Wer kann denn heuten noch Winden von Mohnblumen unterscheiden? Oder eine Eiche von einer Buche?
Die Natur ist doch wunderschön, an jeder Ecke und wert, endeckt und erforscht zu werden.
Die Wolken, die wahre Gebirge am Himmel bilden, Seen, die voller Leben und voll ganzer Welten stecken, wunderschöne farbenprächtige Schmetterlinge und kleine Marienkäfer, der herrliche kühle Wind, das balzende Gezwitscher der Vögel, die Sonne im Gesicht - das ist Schönheit. Und dann kommt der Regen und wäscht den Staub der Pflastersteine hinfort.
Die Straßen und Gassen duften nun nach Regen, die Blüten der Bäume und Sträucher sind schwer vor Nässe, der Flieder benebelt dem Vorbeiziehenden die Sinne und das in abertausenden von Regentropfen glitzernde Efeu räkelt sich genüßlich an verrosteten Gartentoren. Doch der Mensch eilt vorbei, die Köpfe zwischen die Schultern gezogen, mit Einkaufstaschen beladen und beachtet die Natur um ihn herum nicht.
"Sie mal, Mama, was für eine schöne Blume!" "Blumen kriegst du im Laden - und fass das bloß nicht an, wer weiß welche Tiere da schon dran waren!"
Wozu haben wir denn unsere Sinne, Gedanken und Anlagen, Ästhetik zu erkennen und daraus kleine Momente der Freiheit und des Glücks zu schaffen, wenn wir sie in dieser kalten, digitalisierten Welt vergessen?
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