In welcher Welt leben wir, dass ein Mensch nicht mehr imstande ist, Gefühle nach zu empfinden? Mit anderen "echten" Menschen mit zu fühlen?
Wir sehen uns täglich Seifenopern an, die vor platten, ständig wechselnden Emotionen nur so strotzen - heute hat A in B die große Liebe gefunden, zwei Tage später ist es schon C, der As Gefühle fesselt... man bekommt die Gefühle, die Art diese zu leben, fertig vorgesetzt - à la 5-Minuten-Gefühlsterrine von Liebe-geht-durch-Maggi.
Wie soll da der Mensch noch wissen, was es bedeutet treu zu sein oder eine langewährende Bindung einzugehen?
Man kommt zusammen, man trennt sich, man kommt mit jemand anderem zusammen - man verliebt sich heute unsterblich in jemanden - bis am Horizont der nächste Kandidat auftaucht, nach dem man sich verzehren kann...
Und diese Wechselhaftigkeit tritt nicht nur in der Liebe zutage - auch Freundschaften entstehen und zerbrechen, man findet tausende Freunde und wundert sich, dass man dennoch einsam ist. Emotionen gehen nicht mehr tief, sie sind genauso oberflächlich wie alles Andere in dieser Welt.
Leidenschaft empfinden, tiefe Gefühle, ob Liebe oder Hass - dazu scheinen wir kaum noch in der Lage zu sein... Wer spricht oder schreibt denn noch mit der tief empfundenen Leidenschaft eines jungen Schiller, wer empfindet denn noch dieses innere Feuer?
"Das Land der Dichter und Denker" war gestern. Heute lesen wir massengerechten Vampir-Kitsch aus der Dose, Ekel-Bücher irgendwelcher Fernsehmoderatorinnen, die an Peinlichkeit und Selbstprofilierungsdrang kaum zu übertreffen sind, und das neuste "Buch zum Film" - natürlich mit vielen Bildern, damit man sein Gehirn auch ja nicht zu sehr anstrengen muss. Phantasie ist schließlich was für Idioten und Träumer.
Auf den herrlich mit sinnloser Werbung überhäuften Privatsendern casten IQ-schwache Luxuszicken sich ihre beste Freundin und fühlen sich auch noch toll dabei. Und immer nach der Devise "Geld schafft Freunde" - dass man einen wahren Freund oder auch eine Liebe nicht per medienwirksamem Casting finden kann, ist dabei Nebensache.
Und der Zuschauer saugt diese falschen Welten mit reiner Geilheit in sich hinein. Man nimmt sich solche Vorbilder, man möchte ebenfalls seinen Teetassen-Fiffi in der Gucci-Tasche mit sich herumtragen, als essgestörter Kleiderständer über den Laufsteg staksen oder einmal beim Nussknacker der Nation vorsingen und sich zum Affen machen.
Und wo kämen wir denn hin, wenn wir in unserem Freundeskreis diese wunderbaren Themen nicht mehr hätten, über die wir uns austauschen können? "Was?! Du weißt nicht, dass Chantal gestern rausgevotet wurde?!" Weltuntergang!
Warum sollten wir uns über Literatur austauschen, unsere eigenen Probleme versuchen zu klären oder über wirkliche wichtige Weltgeschehnisse diskutieren, wenn wir doch diese bunte, aufgeblasene Promiwelt haben?
Vergesst euer Herz und euer Hirn - in dieser Welt sind sie nur unnötiger Ballast, der
die Medienumsätze drückt!
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