Sonntag, 23. August 2009

Retalin & Retalina

Es ist wirklich erstaunlich zu beobachten wie kinderfreundlich so manche selbst-angepriesene Familienstadt ist:
Die Spielplätze in den Großstädten sind längst zum Dreh- und Angelpunkt täglicher und nächtlicher Sauforgien gelangweilter Teenager verkommen - und bilden gleichzeitig 2 zum Preis von einem: kostenloses Hundeklo und Drogenumschlagplatz.
Wer sich doch einmal mit seinen Kindern auf den Spielplatz verirrt - meist handelt es sich dabei um junge, verblendete Eltern oder Oma und Opa, die ihre Brillen verloren haben - wird schon bald durch nicht angeleinte Bulldoggen und deren hirnlose Besitzer, durch kreischend-knutschende Hauptschul-Abgänger oder einfach durch die Glasscherbe im Fuß des Sohnemanns vertrieben.
Engagiertere Eltern wagen es vielleicht sich mit einem gepfefferten Beschwerdebrief an die Stadt zu richten - und manchmal erhalten sie sogar eine Antwort: "Sehr geehrte Fam. Blabla, die Stadt hat leider für den Bereich Kinder- und Jugend kein Geld in den Kassen. Tut uns sehr leid, Blabla."
Natürlich, kein Geld. Aber Geld um Plätze in der Innenstadt zu "renovieren" und dafür Platzgestalter ohne jeglichen Sinn für Ästhetik oder Utilität einzuspannen, ist da. Zubetoniert, zwei drei Krüppelbäume, die nie größer werden werden als 1, 20m und ein häßlicher pseudo-künstlerischer Brunnen.
Skaterampen für die Brett-verrückten Teenagermassen oder ein Abenteuerspielplatz für die Kleinen sind da leider nicht drin.
Da bestimmt das Angebot in gewisser Weise die Nachfrage: Städte und Firmen, die Familien mit Kindern nicht gerade freundlich gegenüber stehen, machen es für junge Leute nicht unbedingt attraktiv, sich fortzupflanzen. Und wenn keine Kinder geboren werden, gibt es natürlich auch keinen mehr, auf den man im Stadtkonzept Rücksicht nehmen muss.
Die wenigen Kinder, die es da noch gibt, gucken selbstverständlich in die Röhre.
Sie werden von ihren Eltern - ob arbeitslos oder gut bezahlt - gleich nach dem Aufstehen vor Fernseher, Spielkonsole oder Computer geparkt, am besten mit ordentlich Glutamat- und Kalorien-haltigem Proviant.
So hocken dann die Kleinen da und sind völlig unfähig sich mit sich selbst ohne elektronische Unterhalter zu beschäftigen oder sich lange genug auf irgendetwas zu konzentrieren. Rumhampeln im Unterricht oder lethargischer Fast-Tiefschlaf in jeder Situation: Modekrankheiten wie ADS oder ADHS lassen sich da leicht diagnostizieren und die ruhig-stellenden Medikamente hat man auch schon in der Hinterhand, wenn Mami und Papi das Geschrei ihres Sprosses auf die sowieso schon durch Geldsorgen gestressten Nerven geht. Da übersieht man dann auch leicht, dass der Nervzwerg mit der Hauptschulempfehlung unter Umständen vielleicht hochbegabt sein könnte und keineswegs einen an der Waffel hat und dass es vielleicht hilfreichere Beschäftigungsmethoden als PSP und MTV-Pro7-Dauerschleife gibt.
Nein, welch verwegener Gedanke! Lasst bloß nicht zu, dass euer Kind auf die Idee kommt, seiner Natur zu folgen, herumzurennen und sich auszutoben! Pumpt es lieber mit Psychopharmaka voll, bis ihr eines Tages eine Gesellschaft aus 80% alten Menschen, die das Rentensystem belasten und 20% jungen Menschen mit schweren psychischen Störungen und Neurosen habt!
Wozu denn Gedanken und Zeit an diejenigen verschwenden, die, so pathetisch es klingt, die Zukunft unseres Landes sind?
Ärzten und Pharmaindustrie Geld in den Rachen zu werfen, ist ja so viel einfacher.

Donnerstag, 20. August 2009

Ich bin doch nicht Emo!

Seitenscheitel, Totenköfle, Pünktchen ohne Anton und zugetackerte Kindergesichter sind das neue Feindbild aller Sub-, Joghurt- und Mainstreamkulturen und jedes kleine Möchtergern-Gruftilein windet sich voller Abscheu, wenn es wegen seines evil-H&M-Stylings und all der Fratzenpiekser an einschlägigen Stellen, sprich seinem Mode-Emo-Look als Emo bezeichnet wird.
Aber nein! All diese - vornehmlich weiblichen - Killerteenies sind obertrue! So true, dass ihnen ihre Trueigkeit wieder zu den dauer-akkupunktierten Öhrchen rauskommt. Sie lesen "Twilight" und verzehren sich nach Edwaaaard, dem Schmalz-Vampir, oder lauschen verzückt Ville Valos finnischer Schlagertruppe und können es sich gleichzeitig erlauben, über die ihnen so unähnlichen Emo-Gören herzuziehen.
Und selbstverständlich versucht man auch sich tiefsinnig zu geben: ob man nun schlechte Jammer-Heul-Schmerz-Gedichte auf das Papier quält und in irgendwelchen "Dark Blödsinn for Dark People"-Foren veröffentlicht oder sich ganz evil mit rosa Flügelchen auf einem Grabstein räkelnd für die Myspace-Seite ablichten lässt (die einfallslos mit jede Menge Klimbim-Zeug verunstalteten Aderlass-BW-Klamotten und -Accesoires sollten auf den fotografischen Meisterwerken, die nachträglich noch tausendfach bearbeitet werden, natürlich gut erkenntbar sein).
Das Aufregen ist ein weiteres Hobby des "Ich bin doch nicht Emo"-Gruftibärchens: es kann sich wunderbar bei seinen omni-sexuellen Gothic-Barbie-Freundinnen darüber ereifern, dass es beim Shoppen im städtischen "New Yorker" von Familie Waschtelhuber wegen all der Modeschmuck-Pentagramme und umgedrehten Modeschmuck-Kreuze entsetzt begafft wurde und sich mehr "Tolleranz" wünschen.
Allerlei elektronische Kommunikationsmittel leisten bei dieser Rechtschreibfehler-gespickten Tirade auf das ach-wie-schreckliche-und-gar-nicht-gewollte-Begafftwerden gute Dienste. Um evil-Schnuckihasi aufzumuntern und weils einfach dazu gehört, werden die Nachrichten dann über und über mit verkrüppelten Mutantenherzen (<3) geschmückt - *abknutsch*, *knuddel* und Co. dürfen allerdings für die virtuelle "Sinister Regenbogenpony of Death"-Orgie (die eigentlich keines besonderen Anlasses bedarf) auch nicht fehlen.
Cybersex mal anders - und bei dieser besonderen Teenager-Spezies, läuft das auch völlig unabhängig davon, ob am anderen Ende der Leitung jetzt die heterosexuelle Mode-Lesbe Lisa alias "Bloody Vampire", der perverse Pädophile Hans (53) oder ein Wackelpudding sitzt.
Bei einem derartigen Verhalten trägt sich Arroganz gegenüber Emos und sowieso allem und jedem natürlich genauso cool wie der schwarze Kunstleder-Van-Hellsing-Mantel, der sich ständig um die Be-Springerstiefel-ten Füße wickelt.