Sonntag, 1. November 2009

"Tja, was sagen Sie, als Außenstehender zum Thema Mode?"

Schock-Meldung des Tages: ""Ed Hardy" und Co. greifen modisch vermehrt um sich. Werden Wir alle sterben?!"
Natürlich werden wir das genauso wenig wie wir an der Schweinegrippe sterben würden, doch für Ed Hardys Kreationen, braucht jeder Mensch mit Geschmack als mindeste Sicherheitsmaßnahme eine Sonnenbrille.
Zumal die kitschigen Seemanns-Tättowutzions-Bildchen nicht von denen getragen werden, die wirklich den Mumm haben, sich Farbe unter die Haut spritzen zu lassen, sondern vornehmlich von gegelt-mit-rosa-Polohemd-und-D&G-Fake-Gürtel-Gockeln und Co., die das, was sie da tragen offenbar für ungemein cool und modisch halten. Dass diese Krüppeldrachen und Glitzerhündchen im ">Mutti< auf den Arm tättowiert"-Rocker-Stil einfach nur billig aussehen, dürfte den Herren und Damen nicht auffallen - und wenn, sie nichteinmal stören.
Nicht der einzige Schönheitsfehler in Deutschlands Fußgängerzonen.
An jeder Ecke sieht man Teenager, die sich in alberne Röhrenjeans gezwängt haben - unäbhängig davon, ob es ihnen auch nur ansatzweise steht. Nilpferdhintern sehen nunmal leider nicht sonderlich attraktiv aus in diesen Hosen und die obligatorischen Chucks machen es auch nicht besser. Was nicht heißen soll, dass wir dünne Knaben ohne Hintern in der erwähnten Hosenform sehen wollten - oder picklige Bubi-Köpfchen mit geglättetem Seitenscheitel, die in ihren riesigen Kopfhörern zu ertrinken drohen. Die Daniel-Küblböck-Nerd-Brille scheint sich ja Kartoffel-sei-Dank immerhin nicht mehr allzu großer Beliebtheit zu erfreuen und auch das recht unvorteilhafte Babydoll-Sackkleid verwandelt nicht mehr jede Frau in eine Schwangere kurz vor der Entbindung, doch irgendein geschmackloser Mode-Scharlatan beginnt jetzt damit, nach den 60ern nun auch noch die 80er auszuschlachten - als ob 20 Jahre genug Zeit gewesen wären, das Trauma von Neon-Farben, Oversize und Schulterpolstern zu verarbeiten. Welchem Stil wollen wir uns als nächstes zuwenden, sehr geehrter H&M-Designer? Stecken wir als nächstes unsere häßlichen, 3-Tage-bärtigen Bohnenstangen-Models wieder mal in Raumanzüge und setzen ihnen Goldfischgläser auf den Kopf? Oder stecken wir das McDoof-Hüftgold unserer Kundschaft demnächst in Petticoats und lassen irgendeine bekiffte Pseudo-Rock'n'Roll Band eine eigene Linie für uns kreieren?
Oder werden wir uns gar mit dem Ikea-Elch kurzschließen, um die nach billigen Fummeln geifernden Teenager ab sofort auf die Holzschuhe "Billy" und das Schubladenkleid "Annebrö" einzuschießen? Die Vermählung ist ja wohl längst überfällig für die "außen hui, innen pfui"-Schweden-Kumpels.

Eine wirklich kurzlebige Zeit ist das geworden: innerhalb eines Jahres mehrere Jahrzehnte zu verwurschteln und zu verunstalten, hat einen Hauch von Krankheit, etwas von ständig neu-aufkeimenden Grippe-Epidemien.
Bei H5N1 war das Bremborium noch groß, mit ausufernden Quarantäne-Maßnahmen und hilfreichen Ratschlägen wie "keine Federn anfassen" - die Schweine-Grippe hat das ganze ein wenig schrumpfen lassen: man muss sich nur noch die Hände waschen bis die Haut abblättert und zum Alm-Öhi werden.
Allerdings: man kann sich sogar impfen lassen, woho! Für die Poltiker der Special-Cocktail, der warscheinlich noch ein Serum gegen Einsicht und Vernunft enthält, für den Normalbürger, das, was er schon immer brauchte. Was kommt als nächstes? Hundegrippe? "Vermeiden Sie es, in Hundekot zu treten oder sich von Nachbars Köter anfallen zu lassen"?
Hach, warscheinlich ist das Volk von all der Panik so geschwächt, dass es demnächst Mode wird, pinke Tennissocken zu grünen Plateau-Birkenstock zu tragen und sich à la John Travolta bei jedem zweiten Schritt in den Schritt zu greifen, um zu überprüfen, ob die Grippe nicht vielleicht... na, Sie wissen schon.

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