Dienstag, 23. Februar 2010

Chiffre 0356/78 - Bitte melde dich!

Es gibt unzählige Singles und - oh, du meine Güte - es werden immer mehr!
In den Großstädten leben die Menschen heute auf engstem Raum zusammen, für Singles bieten Großstädte wie München mit ca. 1, 3 Mio. Einwohnern eigentlich den perfekten Dschungel um sich mit Charme und sonstigen Aufgeboten auf die Jagd nach dem Traumpartner zu machen, nur irgendwie klappt es auf natürlichem Wege doch nicht mehr.

Das Problem scheint zu sein: je mehr Auswahl man hat, desto schwieriger ist es, Kontakte zu knüpfen. Als es noch kein Internet gab, musste der beziehungswütige Homo sapiens noch auf beschwerliche Weise versuchen, sich das passende Männchen oder Weibchen zu ergattern. Das geht von dezentem bis penetrantem Antanzen in der Disco über gönnerhaftes "Der Herr dort drüben spendiert ihnen den Sekt, Fräulein" bis zu kongenialen Einfällen wie "Ey, hat dir schonmal jemand gesagt, was für schöne Augen du hast".

In Zeiten der Globalisierung hat gerade Mann natürlich auch andere Methoden entwickelt: Mai Ling aus Beijing, die keine Ahnung hat, worauf sie sich einlässt oder Natasha, die für die Aufenthaltserlaubnis alles tun würde - erstaunlicherweise
nicht für jeden eine Lösung des Problems um Einsamkeit.
Dafür und für Schüchterne, Häßliche, psychisch Labile, PC-Checker und diverse Nullnummern gibt es glücklicherweise die wunderbaren Online-Single-Börsen wie "FriendScoutSowieso" oder Google-Spitzenreiter "iLove"*, die einem den Partner für's Leben versprechen: "Anmelden, Profil anlegen, losflirten!" - so findet man heute unter Nicknames wie "SupaFritte86" oder "1n8stand" die große Liebe. Wenn das keine glückliche Ehe gibt, weiß ich auch nicht.

Viel amüsanter und nicht auf - von super-hippen Neu-Intellektuellen bevölkerte - Wlan-Cafés angewiesen, erweisen sich allerdings Zeitungen, Schundblätter und Magazine schon seit Jahrzehnten als Paarvermittler schlecht hin.
Es gibt nur wenige Bücher, bei deren Lektüre man lauthals lachen muss und es ist wirklich selten, dass man so eines erwischt, darum - besser als jede Witzeseite im Sparkassen-Kinderheftchen - Kontaktanzeigen.
Im Bummelbacher Echo suchen vor allem ältere Menschen, einen Deckel für ihr Töpfchen, eine Rolle für den Rollator mit "Älterer Herr, 83, gepflegt, leidenschaftlicher Philatelist, jung geblieben, sucht eine unternehmungslustige Frau, für gemeinsame Wanderungen, Reisen und um mit ihr gemeinsam einen zweiten Frühling zu erleben. Chiffre 4567/98" und Ähnlichem.
Wesentlich spannender sind deratige Inserate in Metal-Zeitschriften: das reicht von "Metalgirl, 16, unkompliziert, durchgeknallt, Musik-süchtig, sucht ihren Dark Angel zwischen 16-25 aus Raum LZ. Höre HIM, Billy Talent und Rammstein. Bitte mit Foto an sweet-vamp93@lab.de" bis zu "Einsamer Eisregen-Fan, 34, m, aus Freiburg, derzeit in Haft, sucht sexy Menschenhasserin für Anti-Beziehung und mehr. Gruß, Daemonias. Chiffre 0666/13".
Und die humoristische Krönung des Ganzen sind Gothic-Blättchen wie "Orkus" und Co - hier trumpft man mit Pseudo-Poesie, düsteren Ergüssen und schwarz-erotischen Phantasien. Da sucht stets ein "dunkler Fürst des Todes", der schon seit mehreren "Wintern auf der Erde wandelt" seinen "schwarzen Engel" oder eine "nette Hexe mit Rubensfigur" möchte Kontakt zu einem "schwarzen Wesen der Nacht" knüpfen - nach mehreren Ausgaben drängt sich schließlich die Frage auf, ob es einen geheimen Baukasten gibt, aus dem sich der einsame Vampir bedienen kann.
Man nehme das folgende Formular, fülle es nach seinen Wünschen, ergieße allen Schmerz der Menschheit in wenige Zeilen und warte auf die ersten psychopathischen Zuschriften:
"Salve, ihr Wesen der Nacht, [dunkle(r)/schwarze(r)] [Fürst/Lord/Vampir/Lady/Hexe/Fee/Engel], {Alter/seit x Wintern durch die Nacht wandeln},[m/f] , sucht [dunkle(n)/schwarze(n)] [Fürst/Lord/Vampir/Lady/Hexe/Fee/Engel] im Alter von _ bis _. *schwülstiges Geschwafel über Einsamkeit, Schatten, Finsternis etc.*
Schwarze Grüße aus meinem dunklen Turm: *Adresse/Haftadresse/Handynummer/E-Mailadresse/Grabsteinnummer*"
Bei so phantasievollen Möglichkeiten, dürfte es dann eigentlich kein Problem sein, den richtigen Partner zu finden.

Die Julias, Annas und Mareikes dieser Welt, die sich tagtäglich auf RTL und Co. um ihre Traumprinzen prügeln sollten das vielleicht auch mal probieren.
Was mich zu einer anderen Frage bringt: Warum grinsen Soap-Darsteller im Vorspann zu ihrer Serie immer so grenz-debil? Wer schon einmal beim rumzappen das falsche Programm zur falschen Zeit erwischt hat, hat dabei sicher schon den Schock seines Lebens davon getragen. Weder Saw 1-80 noch blutigster Splatter können so übel sein, wie die gestelzten Posen und psychopathischen Grinsereien am Nachmittag.
Aber das nur am Rande.
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*Nicht verwandt oder verschwägert mit iPod, iPhone oder iPickel.

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