Wir kennen sie alle: bunte Schals, politisch-korrekte Flatter-Kleidung, dieser Geruch nach intellektueller Erhabenheit.
Sie haben stets eine Erklärung für jeden gestalterischen Fehlgriff klassischer Autoren parat, leiden schon lange nicht mehr an verschleppten Kostümen, muffiger Laune und chronischen Hochsteckfrisuren und die Zeiten, in denen sich das Repartoire des durchschnittlichen Deutschlehrers auch abseits schulischer Torturen auf Womanizer Schiller und Geheimagent Goethe beschränkte, sind längst Geschichte.
Das meist weibliche Exemplar des Homo Magister Germanicum hat längst die Bestsellerlisten für das heimische Ikea-Regal in Beschlag genommen und schreckt nun mehr nicht einmal vor Biografien geistig etwas eingedellter Sportveteranen oder emotionalen Ausscheidungen gehypter Liebssülzer zurück, um nur auf Teufels General komm raus en vogue zu bleiben und sich nicht seinen pubertierenden Fressfeinden der Ober- und Unterprima aussetzen zu müssen.
Denn nichts wäre fataler für die Deutschlehrerin als auf dem Gebiet moderner Literatur plötzlich weiße Stellen auf der Landkarte zu entdecken und den eigenen Anspruch an die Omniscienz seiner selbst nicht mehr erfüllen zu können.
"Ich bin offen für alles!" - nein, wie schön!
Als ob es nicht jeder Schüler einfach fabulös fände, wenn sich Frau Wittgers-Ziemanstein, die gute Brigitte, doch noch, nach Faust und Willy Thell, bereit fünde, sich hin und wieder beim abendlichen Gläschen Rotwein in literarisches Strandgut à la "Vollidiot" einzulesen.
Na, ja. Vielleicht nicht jeder.
Nun zumindest soll schließlich wenigstens einmal der Versuch unternommen werden,
zumindest für einige Stunden, der geistigen Heimat der Schüler einen Auslandsbesuch abzustatten und sie in ihrer literarischen Muttersprache zu begrüßen - um nicht als Foltermeisterin "Gitte, die Schreckliche" die Abschluss-Publikation zu zieren.
Ein letztes Aufbäumen sozusagen, wo doch der Lehrplan nie etwas anderes als bereits recycelte Denker und Literaten zuließ, man nie seiner wahren Berufung als in der Rubrik "Neuerscheinungen" beheimateter Trendsetter gerecht werden konnte und seine Hipness stets nur durch Kabarett-Besuche in der Herde Artverwandter zeigen konnte.
"Zu unserem Bedauern gelang es ihr nicht, ihren Schülern, die stets mit Furcht in den Äuglein, mit zitternden Lidern, die kaum unter Kontrolle zu bringen waren, zu ihr aufsahen und ihren germanistischen Zorn fürchteten, der sich ob vom Hamster gefressener Interpretationsaufsätze oder langweiliger Einleitungen desöfteren über sie zu ergießen wusste, das beizubringen, was sie sich in Kräfte zehrenden Studienjahren zur Weitergabe an die Discipuli Discipulaeque angeeignet hatte - nämlich nicht in die Fußstapfen eines Schachtel-in-der-Schachtel-in-der-Schachtel-Satz-bauenden Kleist zu treten oder sich gar für einen Schüler unpassender Phrasen zu bedienen."
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* Im Zuge der Emanzipation einer barocken Wallküre zur, die Fachschaft "Deutsch" beherrschenden, Spiegel-Bestseller-lesenden Intellektuellen nicht mehr von NötInnen.
Und außerdem out.
Donnerstag, 6. Mai 2010
Deutschlehrerinnen ohne Binnen-I*
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