Mittwoch, 21. Juli 2010

Summer in the City

Es könnte so schön sein: die Sonne scheint, es ist wunderbar warm, ab und zu kann man einen kühlen Lufhauch spüren, die Vogel zwitschern und die Menschen sind glücklich.
Also sie wären glücklich - wenn sie nicht gerade kollabieren* oder halb ersticken würden.
Die Stadt wird im Sommer zum reinsten Backofen, dampfende Abgase und Chemie-Düfte verstopfen die Lunge, der vielfältige Dreck auf dem Pflaster wirft Blasen und lässt Geruchsnerven absterben und die ewige Dunsglocke brät die Bewohner wie Hähnchen im Grill.
Die wenigen, die derzeit lachen, sind die, die überteuerte, mit nicht genau identifizierbarem Geschmack versehene Zuckerbomben unter dem Decknamen "Eis" an Kinder und Erwachsene verkaufen oder diverse Gaststätten, die den Dürstenden mit wahnwitzigen Preisen für Getränke wie "verdammt nochmal stinknormales Wasser - mit oder ohne, groß oder klein" das Geld aus der glühenden Brieftasche ziehen.

Das schönste bei derartigen Temperaturen sind jedoch wie immer die modischen Highlights.
Tennissocken in Badelatschen sieht man immer weniger - wahrscheinlich den alljährlichen Sommer-Kolumnen auf diversen Internet-Portalen geschuldet in Richtung "Die 10 größten Fashion-Fails", "Was Frauen bei Männern nicht mehr sehen wollen", "21 tolle Sommerfrisuren" oder "Das perfekte Sommer-Make-Up"**.

Im memoriam hilfreiche*** webgmxonline.de-Beauty-Tips:

Das Schuh-Mysterium:
Jede Frau zwischen Robert Pattinson und Bon Jovi trägt inzwischen Römersandalen, als hätte der große Modegott jegliche andere Fußbekleidung verboten. Mal aus Leder, mal mit Blingbling - egal ob lange Modelbeine oder kurze Baumstämme. Nicht dass Römersandalen so gräßlich wären wie quietschbunte Badeschuhe, aber muss denn wirklich JEDE...?
Erst Ballerinas, jetzt Cäsars Schuhwerk - das hätte höchstens seine Vorteile, wenn plötzlich jede schrill-kreischende Strass-Sonnenbrillenträgerin "De Bello Gallico" aufsagen könnte... und bei eBay ein Gehirn ersteigern würde.
Wer cool und sportlich daher kommen möchte oder einfach zu faul ist 20 Schnallen zu schließen, bleibt natürlich trotzdem bei den guten alten FlüpFlops.
Nicht dass ich finden würde, dass Plastik-Bade-Schläppchen an den Strand, ins Schwimmbad oder meinetwegen ins heimische Hotelzimmer gehören würden und einen vor Bienenstich von unten oder Fußpilz bewahren sollten, aber sie sind dort wirklich! besser! aufgehoben!
Zumal nichts blöder aussieht, als ein 23-jähriger Student der in Eile in die Straßenbahn springt... während seine Schuhe draußen bleiben müssen.

Das Streifenhörnchen und der Rettungsring:
Das ist Bikini. Bikini ist auch in UV-durchlässig erhältlich und verhindert, dass man aussieht wie ein Steak aus der Grillpfanne.
Und das hier ist Sonne. Sonne ist heiß und brutzelt die Menschen ganz braun, wenn sie lange in der Sonne sitzen oder liegen. Darum gibt es Schatten. Schatten kann man durch Bäume, Strandmuscheln oder Sonnenschirme erzeugen. Er schützt die
Menschen davor sich in eine wandelnde Geschmacklosigkeit zu verwandeln und verhindert, dass man tot umfällt.
Und dann sind da noch Monokini aka Badeanzug und Tankini. Tank und Mono sind die Art von Badebekleidung, die für die meisten Frauen am besten geeignet ist. Sie sind ebenfalls Beschützer. Allerdings schützen sie nicht Dich, sondern die anderen Menschen davor, Augenkrebs zu kriegen und bösartige Blogs zu schreiben.

Der Duft des Todes:
Es ist heiß, man schwitzt, die Stadt stinkt nach aufgeheizten Hunde-Exkrementen, man quetscht sich mit letzter Kraft in die Straßenbahn. Erleichtert, ausnahmsweise ist die Klimaanlage nicht ausgefallen.
Und *plumps* sitzt Stinker neben einem. Stinker ist der Mann, der entweder gerade seine ersten Haare entdeckt hat oder schon wieder dabei ist, sie zu verlieren und er fühlt sich offenbar ganz besonders männlich und bärenstark, wenn er nicht durch ekelhaftes Deodorant oder sonstige Produkte das betörende Odeur seiner Körpersäfte verunreinigt... und stinkt wie ein alter Bär.
Jeder schwitzt, jeder riecht irgendwann unangenehm, aber dafür, liebe Kinder, hat G.O.D aka die Kosmetik-Industrie uns doch diverse wohlriechende Duftstoffe geschenkt, die nicht nur vorbeugen, sondern im praktischen Miniatur-Format auch für unterwegs zur Nachbehandlung geeignet sind.
Wenn man denn nur eine Tasche hätte. Tasche trägt nur, wer schwul, Student, Business-Man oder Rentner ist - also Zielgruppe "reinlich", "dynamisch", "gebügelt" oder "eingeseift". Stinker fährt normalerweise auf der anderen Spur und lässt Freundin/Frau/gekaufte Koreanerin für sich tragen oder schiebt alles, was passt*** in die vorhandenen Hosentaschen.
Und stinkt zum Himmel.
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* Inzwischen aus Spaß und nicht mehr beim Public-Viewing.
** Schmilzt erst nach 10 Minuten vom Gesicht.
*** hilfreich = unbrauchbar = nutzlos = beschissen
**** Brieftasche mit eingebautem Schlüssel. Bruaaaah! Ich starkes Mann!